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GKV-Spitzenverband: Arzneimittelmarktgesetz weiterentwickeln

04.01.2016

Berlin (dpa) - Der Arzneimittelmarkt in Deutschland bedarf nach Ansicht der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) dringend einer Reform, um die Ausgabensteigerungen in den Griff zu bekommen. «Das entscheidende Problem ist, dass wir nach wie vor das erste Jahr mit freier Preisbildung haben», sagte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, der Deutschen Presse-Agentur.

Nach einem Jahr vereinbaren Krankenkassen und Hersteller einen Erstattungsbetrag. Bis zu dieser Vereinbarung könnten Hersteller «Fantasiepreise» für neue Medikamente verlangen.

Grundsätzlich begrüße sie die vor fünf Jahren in Kraft getretene Arzneimittelmarktreform (AMNOG). Doch jetzt müsse diese weiterentwickelt werden. «Wir sind der Meinung, dass man eine Rückwirkung für die vereinbarten Preise braucht - mindestens aber bei den Produkten, die keinen Zusatznutzen gegenüber auf dem Markt befindlichen Präparaten haben», machte die GKV-Chefin deutlich. Das eigentliche Ärgernis sei, dass auch solche Medikamente im ganzen ersten Jahr abräumen könnten, bei denen spätestens nach sechs Monaten klar sei, dass sie keinen Zusatznutzen brächten.

Zudem müsse genauer festgelegt werden, für welche Zielgruppe ein neues Medikament tatsächlich einen Zusatznutzen habe. Sovaldi etwa wirke nicht bei allen Menschen, die an Hepatitis-C erkrankt sind, gleichermaßen. «Aber nach wie vor müssen die Kassen den hohen Preis für alle Erkrankten ausgeben, also auch für die, bei denen das Medikament überhaupt keinen Zusatznutzen hat», sagte Pfeiffer.

Überraschend gut liefen die Preisverhandlungen mit den Pharmaunternehmen. «Wir haben ja zu Beginn erwartet, dass wir viel häufiger in die Schiedsstelle gehen müssen», sagte Pfeiffer. 2015 wurden insgesamt 73 Preisverhandlungen geführt. 45 davon seien auf dem Verhandlungswege abgeschlossen worden, 5 per Schiedsspruch. 4 Präparate wurden vor Verhandlungsbeginn vom Markt genommen, 16 sind noch in Verhandlung und 3 noch im Schiedsverfahren.