Agenturmeldungen

Job und Pflege? - Jeder zweite Arbeitgeber befasst sich damit

20.11.2014

Die Arbeitgeberverbände sehen das geplante Pflegegesetz kritisch. Sie fürchten unnötige Belastungen für die Betriebe. Eine Studie mahntjetzt: «Viele Arbeitgeber übersehen die personalpolitische Brisanz.»

Frankfurt/Main (dpa) - Jeder zweite Arbeitgeber in Deutschland hat sich nach einer Studie schon einmal mit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für seine Angestellten befasst. Nicht einmal jeder Dritte macht den Beschäftigten aber auch konkrete Angebote, wie eine repräsentative Befragung des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag einer Initiative der Hertie-Stiftung (berufundfamilie) ergab. Und wenn solche «pflegegerechten Maßnahmen» angeboten werden, kommt dies bei den Beschäftigten oft nicht richtig an.

«Viele Arbeitgeber übersehen weiterhin die personalpolitische Brisanz des Themas Pflege», lautet das Fazit der am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Studie, für die je 500 Arbeitgeber und Beschäftigte ab 35 Jahren befragt wurden. Allerdings gibt es auch Fortschritte:
Bei der ersten Umfrage 2011 hatte sich erst gut jeder dritte Arbeitgeber (38 Prozent) mit dem Thema befasst.

Warum ist die Pflege für viele Arbeitgeber noch kein Thema? Fast zwei Drittel sehen laut Umfrage erst in einigen Jahren die Notwendigkeit zu handeln. «Mit dieser Haltung verpassen Arbeitgeber eine wichtige Chance, sich rechtzeitig für die Zukunft aufzustellen», mahnt Stefan Becker, Geschäftsführer von berufundfamilie. Zwei von drei Beschäftigten rechneten damit, dass sie künftig Angehörige pflegen werden. «Der personalpolitische Druck wird angesichts des steigenden Fachkräftemangels durch das Pflegethema also unweigerlich und rasant ansteigen.»

Die Studie hat zudem eine Kluft ausgemacht zwischen dem Angebot der Arbeitgeber für pflegende Arbeitnehmer und deren Bedürfnissen. So bieten einige Chefs zwar - wie von vielen Beschäftigten gewünscht - flexible Arbeitszeitmodelle und -konten. Finanzielle Hilfen und bezahlte Freistellungen, die sich die Mitarbeiter wünschen, spielen aber kaum eine Rolle. Die Möglichkeit, Arbeitszeit zu reduzieren und sich unbezahlt freistellen zu lassen, wird dagegen in größerem Umfang angeboten als von den Beschäftigten für sinnvoll erachtet.