Agenturmeldungen

Kauders rote Lederjacke - und ein GroKo-Pingpong mit Nahles

24.01.2018

Berlin (dpa) - Geht es nach Volker Kauder, ist die Sache klar.

Der Unionsfraktionschef will die große Koalition unbedingt. «Wenn uns

das jetzt nicht gelingt, dann kann es für alle Volksparteien und für

unser Land schwierig werden», sagt Kauder bei einer Veranstaltung zu

Ehren des 2012 verstorbenen früheren SPD-Fraktionschefs Peter Struck.

Und der 68-Jährige verspricht: «Wenn's zu dieser großen Koalition

kommt, trete ich in Berlin in meiner roten Lederjacke auf.»

Lederjacke - das war ein Markenzeichen Strucks.

Seine SPD-Kollegin Andrea Nahles demonstriert auf Kauders Ankündigung

trotz ihrer widerborstigen Parteigenossen Optimismus: «Das wird den

Mitgliederentscheid positiv beeinflussen.» Nach den am Freitag

beginnenden Koalitionsverhandlungen von Union und SPD müssen erstmal

die SPD-Mitglieder über den Koalitionsvertrag abstimmen. 

Kauder beschreibt das Duo Struck - Kauder als Vorbild politischen

Vertrauens. So hätten beide Fraktionschefs vereinbart, nur gemeinsam

in Talkshows aufzutreten - und vorher hätten sie ausgemacht, «wen wir

uns vornehmen». In einem neuen, von Kauder herausgegebenen Buch wird

Struck in Erinnerung gerufen als knorriger Sozialdemokrat:

«Schnauzbart, Pfeife, Motorrad. So haben ihn die Menschen im Kopf.»

Kauder erinnert an Struck, der am 24. Januar 75 geworden wäre, als

echten Freund. Gemeinsam hätten sie die große Koalition nach dem Ende

von Rot-Grün unter dem damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder im Kern

zusammengehalten.

Und wie ist heute das Verhältnis zu Nahles? Zu ihr habe er «eine

wirklich ausgezeichnete Arbeitsbeziehung», sagt Kauder. Nahles

meint: «Ich glaube, dass wir wirklich eine Basis haben, auf der wir

jetzt aufbauen können - das wird eine wichtige Achse werden in den

kommenden Monaten.» 

Prompt zeigen Nahles und Kauder, dass sie auch Polit-Show miteinander

können. Zuerst habe er vorsichtig sein müssen mit Äußerungen zur SPD,

weil ja der SPD-Parteitag zu Koalitionsverhandlungen bevorstand - und

jetzt wegen des SPD-Mitgliedervotums, zeigt sich Kauder gespielt

genervt. «Ich hoffe doch sehr, dass wir den Zustand, in dem wir unser

Land in der ganzen Welt präsentierten, bald beenden», meint er.

Nahles entgegnet: «Wir werden uns bemühen.» Mit Blick auf Fasching

meint sie: «Ich habe eine sieben Jahre alte Tochter, die einen großen

Beutel hat, der gefüllt werden will. Es kann ja auch Veilchendienstag

werden, aber natürlich muss es jetzt vorangehen.» 

Kauder hakt ein: «Wenn wir vor Fasnacht nicht fertig werden, wird das

zum Thema bei allen Fasnachtsveranstaltungen - da schneiden wir

granatenmäßig schlecht ab.» Nahles daraufhin mit Blick auf die

Union: «Das hängt ja an Euch.» Kauder: «Ich will, dass wir Erfolg

haben.» Seit Längerem sage er kein schlechtes Wort über «die Sozis» -

obwohl ihm einiges einfallen würde. Macht die Union der SPD mit deren

Nachbesserungswünschen nun Zugeständnisse? «Dort, wo wir können,

machen wir, dort wo wir nicht können, müsst Ihr auch mal Ruhe geben»,

sagt Kauder. Nahles antwortet knapp: «Es muss noch verhandelt

werden.»

Union und SPD ruft Kauder noch dazu auf, nicht schlecht über eine

gemeinsame Regierung zu reden. «Wenn wir jetzt gemeinsam starten,

dann reden wir auch gut über das Ding und helfen dem Land aus einer

schwierigen Situation heraus.» An ihm und Nahles - soviel wird klar -

liegt es nicht. Auch wenn es (noch) nicht die Freundschaft wie bei

Kauder und Struck ist.