Agenturmeldungen

Koalition streitet um Versandhandel von Medikamenten

07.04.2017

Anders als Gesundheitsminister Gröhe will die SPD den Versandhandel
mit rezeptpflichtigen Arzneien nicht verbieten. CDU und CSU sehen
wegen dieser Haltung jedoch die kleine Apotheke vor Ort in Gefahr.

Berlin (dpa) - Das von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)
geplante Verbot des Versandhandels bei rezeptpflichtigen Medikamenten
sorgt weiter für Ärger in der großen Koalition. Der
Bundespatientenbeauftragte Karl-Josef Laumann (CDU) warf den
Sozialdemokraten vor, die Apotheke um die Ecke in Existenznöte zu
bringen. «Die SPD-Bundestagsfraktion lässt die wohnortnahe Versorgung
mit Arzneimitteln sehenden Auges vor die Wand fahren», sagte Laumann
der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Hintergrund ist, dass sich die SPD gegen Gröhes Verbotspläne stellt.
Die Haltung der Sozialdemokraten stößt auch bei der CSU auf Kritik.
«Ein ruinöser Preiskampf zu Lasten unserer Apotheken muss verhindert
werden», forderte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).
Viele der 150 000 Arbeitsplätze in den deutschen Apotheken stünden
auf dem Spiel.

Für die Deutsche Stiftung Patientenschutz sind die Aussagen von CDU
und CSU jedoch nicht nachvollziehbar. «Die Union gibt sich als
Schutzpatron der deutschen Apotheker», sagte Stiftungsvorstand Eugen
Brysch. Doch der Versandhandel bedeutet nicht das Ende der
Patientenversorgung. Vielmehr müssten die Apotheker vor Ort ihren
Service verbessern - etwa durch einen modernen Lieferservice.

Nach Ansicht der SPD ist der Versandhandel gerade im ländlichen Raum
und für chronisch kranke Menschen sogar von großem Vorteil. Die
Sozialdemokraten werfen der CDU deshalb vor, die Apotheker für den
Wahlkampf zu instrumentalisieren.

Laumann betonte hingegen unter Berufung auf eine Studie des
Verbraucherministeriums, die Apotheken seien einer der wichtigsten
Partner zur Stärkung der Gesundheitskompetenz in Deutschland.
«Insbesondere ältere und chronisch kranke Menschen sind hier auf eine
wohnortnahe Versorgung angewiesen.» Die Politik müsse sich darauf
konzentrieren, die Apotheke vor Ort zu schützen.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte Ende 2016 die deutsche
Regelung verworfen, wonach die Preisbindung für rezeptpflichtige
Arzneimittel auch für ausländische Versandapotheken gelten soll.
Diese können den Kunden somit weiterhin Boni gewähren. Viele
Apothekenbesitzer in Deutschland sehen sich dadurch benachteiligt.