Agenturmeldungen

Krankenkassen-Reserven steigen auf 17,5 Milliarden

23.08.2017

Trotz aller Unkenrufe hat die gesetzliche Krankenversicherung am Ende
der Legislaturperiode volle Kassen. Damit dürften Beitragserhöhungen
für die Versicherten in nächster Zeit ausbleiben.

Berlin (dpa) - Rekordbeschäftigung und gute Konjunktur füllen die
Kassen der gesetzlichen Krankenversicherung und dürften die
Mitglieder vorerst vor Beitragserhöhungen verschonen. Die Kassen
erwirtschafteten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in
der ersten Hälfte 2017 einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro. Das
ergibt sich aus den Vorabmeldungen der Kassen. Damit wurde der
Überschuss von 612 Millionen Euro aus dem ersten Quartal nochmals
mehr als verdoppelt.

Die Finanzreserven der gesetzlichen Krankenkassen sind damit bis
Mitte des Jahres auf rund 17,5 Milliarden Euro gestiegen. Nach dem
ersten Quartal 2017 lagen sie noch bei 16,7 Milliarden Euro. Somit
wurde im ersten Halbjahr 2017 fast schon der Überschuss des
Gesamtjahres 2016 von 1,62 Milliarden Euro erreicht.

Im Gesundheitsfonds, über den die Gelder an die einzelnen Kassen
verteilt werden, befanden sich Ende 2016 rund 9,1 Milliarden Euro.

Die günstige Einnahmenentwicklung bei den Kassen dürfte dafür sorgen,
dass die Beiträge für die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen
im kommenden Jahr stabil bleiben. Denn zu der guten Konjunktur und
der Rekordbeschäftigung kommt noch eine Sonderzuweisung von 1,5
Milliarden Euro aus dem Geldpolster des Gesundheitsfonds, die
Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Kassen im Wahljahr 2017
zugesichert hatte. Aber auch die Zuwanderer spielen eine Rolle. Wegen
hunderttausender neuer Versicherter verzeichnen die Kassen
einen neuen Mitgliederrekord und eine Trendwende gegen das
Älterwerden der Versicherten.

Das Einnahmenplus kommt jedoch nicht bei allen Kassenarten im
gleichen Maße an. Viele Kassen sehen in den Zahlen eine weitere
Bestätigung dafür, dass das derzeitige Finanzverteilsystem über den
sogenannten Risikostrukturausgleich nicht für einen gerechten
Wettbewerb sorge. Die Zuteilungen erfolgen vor allem nach
Krankheitsschwere und -häufigkeit der Versicherten. Begünstigt würden
vor allem die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen), so die Kritik.
Gröhe will bis Herbst einen Reformbedarf prüfen.

Fachleute gehen davon aus, dass die gute Finanzlage der Sozialkassen
auch noch in der nächsten Legislaturperiode anhält. Danach werde sie
wegen der älter werdenden Bevölkerung und der damit einhergehenden
sinkenden Zahl von Menschen im erwerbsfähigen Alter schlechte