Agenturmeldungen

Krankenkassen sehen große Chancen für bessere Notfallversorgung

17.02.2020

 

Muss man bei Unwohlsein am Wochenende direkt ins Krankenhaus gehen?
In vielen Notaufnahmen führt das zu Stress und langem Warten. Die
Politik will gegensteuern - und bekommt unterschiedliche Reaktionen.

Berlin (dpa) - Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) setzen
auf deutliche Verbesserungen bei der Patientenversorgung in akuten
Fällen. «Wer ambulant behandelt werden kann, gehört weder in die
Notaufnahme noch in ein Krankenhausbett», sagte Stefanie Stoff-Ahnis,
Vorstand beim GKV-Spitzenverband, der Deutschen Presse-Agentur. «Wer
hingegen mit Blaulicht in die Klinik kommt, wird auch künftig ohne
Umweg sofort in der Notaufnahme versorgt.» Von Gesundheitsminister
Jens Spahn (CDU) vorgelegte Reformpläne böten hierfür große Chancen.
Die Krankenhäuser warnten dagegen vor möglichen neuen Problemen.

Der Gesetzentwurf zielt darauf, Patienten stärker in eine passende
Versorgung zu lotsen. Dadurch sollen sie auch seltener in überfüllten
Notaufnahmen von Krankenhäusern warten. Vorgesehen ist zum einen ein
gemeinsames telefonisches Leitsystem, für das die Rettungsleitstellen
mit der Notrufnummer 112 und der ärztliche Bereitschaftsdienst mit
der Nummer 116 117 zusammenarbeiten sollen. Zum anderem sollen in
Kliniken zentrale Anlaufstellen eingerichtet werden, die je nach
Dringlichkeit des Anliegens über die passende Behandlung entscheiden.

Solche «Integrierten Notfallzentren» sorgten für klare Verhältnisse,
sagte Stoff-Ahnis. Sie könnten ein Erfolgsmodell werden, wenn dort
Kliniken und ambulant tätige Ärzte Hand in Hand arbeiten und sich gut
abstimmen. Stoff-Ahnis betonte, dass der Gemeinsame Bundesausschuss
von Ärzten, Kassen und Kliniken bundeseinheitliche Rahmenbedingungen
für die Zentren festlegen solle. So dürften Krankenwagen mit einem
Schlaganfallpatienten etwa nur noch spezialisierte Kliniken anfahren.
Dies solle verhindern, dass Schwerstkranke in einer Notaufnahme
landeten, die nicht zu einer angemessenen Versorgung in der Lage sei.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft forderte eine grundsätzliche
Überarbeitung der Pläne. Eine Konzentration ambulanter Notfallstellen
auf deutlich weniger Kliniken würde Überbelastung und Wartezeiten
noch verstärken. Eine Umfirmierung bestehender Krankenhausambulanzen
in eigenständige Betriebe schaffe neue Schnittstellenprobleme und
unwirtschaftliche Doppelstrukturen. Niedergelassene Ärzte müssten die
Notfallversorgung über Hausbesuche sicherstellen, damit es weniger
vermeidbare Klinik-Einweisungen aus Alten- und Pflegeheimen gibt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte schon ein Konzept beschlossen,
wonach es künftig voraussichtlich weniger Kliniken geben dürfte, die
für Notfälle eingerichtet sind - diese sollen aber eine angemessene
Betreuung garantieren. Von 1748 Häusern sollen demnach noch 1120
entsprechende Zuschläge bekommen, es könnten also 628 herausfallen.

Für die gesetzlichen Kassen unterstützte GKV-Vorstand Stoff-Ahnis
auch dringend nötige Neuregelungen beim Rettungsdienst. Bisher könne
die Kasse nur dann einen Krankenwageneinsatz bezahlen, wenn auch ein
Patient in eine Klinik gefahren wurde. Daraus ergäben sich aber
Fehlanreize - beispielsweise, jemanden mit Kreislaufproblemen in eine
Klinik zu fahren, auch wenn es ihm beim Eintreffen des Krankenwagens
eigentlich schon wieder gut geht.