Agenturmeldungen

Laschet gegen Kassen-Finanzierung vorgeburtlicher Down-Syndrom-Tests

08.04.2019

Berlin (dpa) - Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin
Laschet hat sich strikt gegen eine Kassenfinanzierung von genetischen
Bluttest ausgesprochen, mit denen vor der Geburt Hinweise auf das
Down-Syndrom möglich sind. «Ich finde, die Kassen sollten das nicht
finanzieren. Das Signal, dass man im Vorfeld über die Wertigkeit von
Leben urteilt, halte ich für falsch», sagte der stellvertretende
CDU-Vorsitzende am Montag vor einer Sitzung des Parteipräsidiums in
Berlin. Zugleich sprach Laschet von einer «sehr persönlichen
Gewissensentscheidung», die am Ende jeder Bundestagsabgeordnete
fällen müsse. Es sei gut, diese Debatte nun öffentlich zu führen.

Thüringens CDU-Chef Mike Mohring lobte die Idee von Parteichefin
Annegret Kramp-Karrenbauer, die CDU an der Debatte zu beteiligen. Es
sei ein guter neuer Stil, bei Grundsatzfragen in die Partei
hineinzuhören, bevor im Bundestag eine solche Debatte abgeschlossen
werde. Kinder mit Trisomie 21 hätten ein lebenswertes Leben - die
Eltern sollten in der Frage gestärkt werden, was auf sie zukomme,
sagte Mohring. Deswegen müsse die Debatte offen, aber auch mit dem
Wissen geführt werden, dass jedes Leben schützenswert sei.

Kramp-Karrenbauer hatte das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung
des Parteipräsidiums gesetzt. Hintergrund ist laut «Welt am Sonntag»
eine kontroverse Debatte in der Unionsfraktion von vergangener Woche.
Die Parteichefin strebt demnach keine Festlegung auf eine Parteilinie
an, sondern eine Debatte in der CDU. Der Bundestag will sich an
diesem Donnerstag mit solchen Bluttests befassen. Sie bieten seit
einigen Jahren die höchste Treffsicherheit, wenn es darum geht, die
Wahrscheinlichkeit für ein Down-Syndrom bei Ungeborenen zu berechnen,
ohne das Kind dabei zu gefährden. Bislang müssen Schwangere den rund
130 Euro teuren Bluttest meist selbst zahlen.