Agenturmeldungen

Leichter Rückgang bei Organspenden

13.01.2020

Berlin/Frankfurt (dpa) - Die Zahl der Organspender ist im vergangenen
Jahr leicht von 955 auf 932 zurückgegangen. Auch bei den gespendeten
Organen verzeichnete die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO)
laut Mitteilung vom Montag einen Rückgang von 3113 im Jahr 2018 auf
nun 2995. Die Zahlen wurden wenige Tage vor der wichtigen Abstimmung
im Bundestag zum Thema Organspende veröffentlicht. Die Zahlen in den
Jahren davor lagen jedoch unter denen aus dem vergangenen Jahr. Der
Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel, spricht daher für 2019
auch nur von statistischen Schwankungen und keiner großen Änderung.

«Allerdings bildet Deutschland mit einer bundesdurchschnittlichen
Spenderrate von 11,2 Spendern pro eine Million Einwohner nach wie vor
eines der Schlusslichter im internationalen Vergleich», heißt es in
der in Frankfurt/Main verbreiteten Mitteilung. Es habe zuletzt aber
mehr Kontakte mit Krankenhäusern gegeben. «Die DSO geht davon aus,
dass die öffentlichen Diskussionen um die Organspende dazu beitragen,
das Bewusstsein für Organspende in den Kliniken zu verbessern.»

Am Donnerstag (16. Januar) soll der Bundestag über neue Regeln für
Organspenden entscheiden. Dabei geht es um die sogenannte
Widerspruchslösung. Ein fraktionsübergreifender Gesetzesentwurf von
einer Gruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) strebt die
«doppelte Widerspruchslösung» an. Ab dem 1. Oktober 2022 sollen
demnach alle Bürger grundsätzlich als Spender gelten. Man soll dazu
aber später Nein sagen können. Ansonsten wäre noch bei Angehörigen
nachzufragen, ob ihnen ein Widerspruch bekannt ist.

Eine andere Abgeordnetengruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock
schlägt vor, dass alle Bürger mindestens alle zehn Jahre beim
Ausweisabholen auf das Thema Organspende angesprochen werden. Daneben
hat die AfD einen Antrag eingebracht, der eine doppelte
Widerspruchslösung ablehnt. Gemeinsames Ziel ist, zu mehr
Organspenden in Deutschland zu kommen.

«Mit Appellen erreicht man wenig», sagte Rahmel. Allerdings erwarte
er auch keine besonderen Effekte, wenn am Bürgeramt Flyer verteilt
werden. «Das haben wir im Prinzip heute schon.» Hingegen würde die
Widerspruchslösung dazu führen, dass sich jeder mit dem Thema
auseinandersetzen müsse. «Mehr als 40 Prozent der ablehnenden
Entscheidungen werden heute von Angehörigen getroffen, die gar nicht
wissen, was der Verstorbene wollte.» Jedoch warnte Rahmel auch: «Die
Widerspruchslösung ist nur ein Baustein. Dadurch werden sich nicht
von einem auf den anderen Tag die Zahlen verdoppeln.»