Agenturmeldungen

Masernkranker Erwachsener stirbt in Niedersachsen

08.05.2019

Nach einem Masernausbruch im Umfeld seiner Familie lässt sich ein
Erwachsener in Niedersachsen impfen. Dennoch bricht die Krankheit bei
ihm aus - die Folgen sind tragisch.

Hildesheim (dpa) - Ein an Masern erkrankter Erwachsener ist in
Niedersachsen gestorben. Die Infektion habe maßgeblich zu seinem Tod
beigetragen; ob sie tatsächlich die Ursache gewesen sei, werde erst
in einigen Wochen feststehen, sagte Sprecherin des Landkreises
Hildesheim, Birgit Wilken, am Dienstag. Die Person im Alter zwischen
30 und 40 Jahren sei acht Tage vor ihrem Tod erstmals gegen Masern
geimpft worden, nachdem im familiären Umfeld die Krankheit
aufgetreten war. Die Impfung habe in diesem Fall allerdings die
Erkrankung nicht mehr verhindern können.

Aus Datenschutzgründen wurden keine näheren Angaben zu dem Todesopfer
gemacht. Die Person hatte drei Tage vor ihrem Tod im April das
klinische Bild einer Maserninfektion gezeigt, auch mit dem typischen
Hautausschlag. Warum es zu einem derartig schnellen und schweren
Verlauf der Krankheit kam, sei noch nicht abschließend geklärt, hieß
es vom Kreis. Es werden noch weitere Untersuchungsergebnisse in den
kommenden Wochen erwartet.

Das Statistische Bundesamt listet für Deutschland 2016 zwei direkt
erfasste Masern-Todesfälle auf. 2015 seien es drei gewesen. Hinzu
kommen einige Todesfälle durch eine Spätfolge, die Hirnkrankheit
subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die oft erst Jahre
nach der Maserninfektion einsetzt und bei der es zu Veränderungen der
Schulleistung und der Persönlichkeit kommt. Davon gab es 2016 nach
Daten der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (bge-bund) vier
Todesfälle und 2015 einen. Es kann zudem sein, dass einige Fälle
nicht registriert wurden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will verpflichtende
Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder mit Geldstrafen bis 2500
Euro und einem Ausschluss vom Kita-Besuch durchsetzen. Die
Impfpflicht soll ab 1. März 2020 gelten, wie aus einem Gesetzentwurf
hervorgeht. In Hildesheim hatte es vor einigen Wochen einen größeren
Masernausbruch gegeben.  

Die Leiterin des Hildesheimer Gesundheitsamtes, Katharina Hüppe,
sagte: «Wir wissen, Komplikationen wie Lungenentzündungen oder
Gehirnentzündungen durch Maserninfektionen sind keine Seltenheit.
Tödliche Verläufe sind bekannt, ungefähr jede 1000. Masernerkrankung
führt zum Tod.» Die Sprecherin des Landesgesundheitsamtes, Dagmar
Ziehm, sagte, die Impfung habe die Infektion nicht mehr verhindern
können. «Sie ist zu spät gekommen.»

Europaweit gab es im vergangenen Jahr bei 80 000 Maserninfektionen
mehr als 70 Todesfälle, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und
das EU-Präventionszentrum ECDC kürzlich mitteilten.