Agenturmeldungen

Mehr als 47 000 Opfer von Genitalverstümmelung in Deutschland

06.02.2017

Berlin (dpa) - In Deutschland leben schätzungsweise gut 47 300 Opfer weiblicher Genitalverstümmelung. Das geht aus der ersten Studie zur nationalen Verbreitung dieses Phänomens hervor, die das Bundesfamilienministerium am Montag vorgestellt hat.

Verbreitet ist diese Praxis unter anderem in Ägypten, Eritrea, Somalia, Äthiopien, Mali und dem Irak. Dabei wird die Klitoris wird ganz oder teilweise amputiert. In einigen Ländern werden auch die Schamlippen abgetrennt.

Der Studie zufolge stieg die Zahl der betroffenen Frauen und Mädchen durch die Zuwanderung aus Staaten, wo diese grausame Tradition praktiziert wird, von Ende 2014 bis Mitte 2016 um knapp 30 Prozent. «Die weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Sie verursacht unfassbare körperliche Qualen und seelisches Leid», erklärte der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Ralf Kleindiek.

Laut Studie sind hierzulande zwischen 1 558 und 5 684 Töchter von Migranten von Genitalverstümmelung bedroht. Nach deutschem Recht ist diese Tortur auch dann strafbar, wenn sie im Ausland vorgenommen wird. Um zu verhindern, dass Eltern ihre Töchter im Heimatland einer «Ferienbeschneidung» unterziehen, hatte die Bundesregierung im Dezember 2016 eine Änderung des Passgesetzes beschlossen. Künftig kann Menschen, die für eine Genitalverstümmelung mit einem Mädchen oder einer Frau ins Ausland reisen wollen, der Pass entzogen werden.