Agenturmeldungen

Mehr Hirntote sollen zu Organspendern werden

17.01.2019

Tausende Schwerstkranke in Deutschland warten auf ein Spenderorgan.
Doch in den Krankenhäusern tut man sich oft schwer, mögliche
Organspender zu identifizieren. Das soll sich ändern.

Berlin (dpa) - Hirntote Klinikpatienten sollen in Deutschland
verstärkt zu Organspendern werden. Im Bundestag zeichnete sich am
Donnerstag breite Unterstützung für Pläne von Gesundheitsminister
Jens Spahn (CDU) zur Gewinnung von mehr Spenderorganen ab. Debattiert
wurde eine Änderung des Transplantationsgesetzes.

Spahn erläuterte, die Rolle der Beauftragten für Transplantationen in
den Krankenhäusern solle aufgewertet werden. Die entsprechenden
Fachleute sollten verstärkt für diese Aufgabe freigestellt werden.
Den Krankenhäusern solle dadurch kein finanzieller Nachteil entstehen
- die Freistellung solle ihnen bezahlt werden.

Ärzte in Bereitschaft sollten zudem zu jeder Zeit gewährleisten, dass
festgestellt wird, wenn bei einem Patienten die Hirnfunktionen
ausgefallen sind. Erst dann werden unter Umständen Organe entnommen.

Wichtig sei zudem eine bessere Betreuung der Angehörigen. Auch
müssten Empfänger von Organen die Möglichkeit erhalten, bei den
Angehörigen des Spenders ihren Dank auszudrücken, ohne dass deren
Anonymität verletzt werde.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte, heute könnten
Kliniken mit einer guten Organisation der Organspende nur Verluste
machen. Dies solle sich ändern. Grüne, FDP und Linke unterstützten
den Koalitionsentwurf. «Das ist wirklich ein gutes Gesetz, was Sie
hier vorlegen», sagte Kirsten Kappert-Gonther von den Grünen.

Auch von der AfD kam prinzipielle Zustimmung, wenn ihr Abgeordneter
Axel Gehrke (Afd) auch kritisierte, dass nicht ausreichend klare
Regelungen vorgesehen seien etwa zur Festlegung des Hirntods und zur
Vermeidung psychischen Drucks auf Angehörige.

Rund 10 000 Menschen warten hierzulande auf ein Spenderorgan.
Deutschland liegt im internationalen Vergleich hinten bei der
Gewinnung solcher Organe. Unabhängig von den nun ins Parlament
eingebrachten Plänen wird derzeit über Fraktionsgrenzen hinweg auch
über neue Organspende-Regeln diskutiert. Bisher sind Entnahmen nur
bei ausdrücklich erklärter Zustimmung erlaubt. Spahn wirbt nun für
eine «doppelte Widerspruchslösung». Demnach würde automatisch jeder
als Spender gelten, außer man sagt Nein. Sonst wären - als doppelte
Schranke - Angehörige zu fragen.

Transplantationsmediziner begrüßten die geplante Änderung des
Transplantationsgesetzes. «Das Gesetz bietet gute Voraussetzungen, um
die Zahlen der Organspende in Deutschland zu erhöhen», sagte
die geschäftsführende Ärztin für die Region Ost der Deutschen
Stiftung Organtransplantation, Christa Wachsmuth, dem MDR-Magazin
«Hauptsache Gesund».

Paolo Fornara, Leiter des Nierentransplantationszentrums des Landes
Sachsen-Anhalt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
sagte dem Sender: «Deutschland ist bei der Organspende eines der
Schlusslichter in Europa und in der Welt.» Es bestehe also dringender
Handlungsbedarf. «Die Maßnahmen, die jetzt angegangen werden sollen,
halte ich für äußerst vernünftig.»