Agenturmeldungen

Mehr HIV-Infizierte sollen Therapie bekommen - Clearingstelle geplant

05.10.2017

Berlin hat sich als bislang einzige deutsche Stadt einer
internationalen Initiative angeschlossen, die die Aids-Epidemie in
Städten bis 2030 beenden wollen. Woran hapert es noch?

Berlin (dpa) - Als Stadt mit den meisten HIV-Infektionen in
Deutschland will Berlin mehr Infizierte in Behandlung bringen. Es sei
noch ein Rätsel, warum es in der Stadt eine relativ hohe Quote von
Menschen gebe, die zwar ihren Status kennen, aber nicht in Therapie
seien, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) am
Donnerstag vor dem Kongress «HIV im Dialog».

Ein Fokus liege dabei auf Zuwanderern, die keinen Aufenthaltsstatus
hätten. Um ihnen, aber auch allgemein Menschen ohne
Krankenversicherung unabhängig vom Gesundheitsproblem den Weg in
Behandlung zu ebnen, ist ab 2018 eine Clearingstelle geplant, wie
Kolat sagte.

Berlin hatte sich 2016 als bislang einzige Stadt in Deutschland einer
Initiative angeschlossen, die bis 2030 die Aids-Epidemie in Städten
beenden will. Bereits bis 2020 soll eines der Etappenziele erreicht
sein: 90 Prozent der Menschen mit HIV wissen von ihrer Infektion, 90
Prozent erhalten eine Therapie, bei 90 Prozent davon ist HIV nicht
mehr nachweisbar.

«Wir müssen bei der Prävention ansetzen», betonte Kolat. Kondome
seien trotz der heutzutage möglichen medikamentösen Prophylaxe nicht
aus der Mode geraten. Sie seien wichtig, auch weil eine Zunahme
anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen beobachtet werde.

Die Prophylaxe mit Tabletten, kurz PrEP, die bis vor kurzem wegen
ihres hohen Preises außerhalb des Schwarzmarktes als kaum zugänglich
galt, wird zwar in einem Pilotprojekt von Apotheken erschwinglicher.
Die Kosten für die ärztliche Beratung vor der Einnahme und die
engmaschige Betreuung währenddessen werden aber weiter nicht von
den Kassen übernommen. «Das Einkommen darf nicht darüber entscheiden,
ob jemand die PrEP nehmen kann oder nicht», sagte Ute Hiller von der
Berliner Aids-Hilfe.

Bei dem Kongress beraten Fachleute am Freitag und Samstag, wie Berlin
die Zahl der HIV-Infektionen reduzieren und das Auftreten von Aids
verhindern kann. Geschätzt stecken sich in der Hauptstadt pro Jahr
430 Menschen mit HIV an.