Agenturmeldungen

Ministerium ruft zu befristeter Gratis-Abgabe von Zolgensma auf

28.11.2019

Berlin (dpa) - Das Bundesgesundheitsministerium hat den Pharmakonzern
Novartis aufgerufen, das zwei Millionen Euro teure Medikament
Zolgensma bis zu einer Zulassung für Deutschland kostenlos abzugeben.
Das Ministerium begrüße es, wenn das Unternehmen für bis zu
zweijährige Kinder mit Spinaler Muskelatrophie kurzfristig ein
Härtefallprogramm dafür in Betracht ziehe. Dies würde das Anliegen
unterstützen, die Verunsicherung ihrer Familien in dieser schwierigen
Situation zu lindern, heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an
Novartis, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Noch vor der Zulassung in der EU gibt es heftige Debatten um das
Medikament. Zwei Kinder in Deutschland haben das Medikament nach
Herstellerangaben bisher erhalten, bezahlt von gesetzlichen
Krankenkassen. Über eine «beispiellose Medienkampagne» sei auf Kassen
und Ärzte erheblicher Druck ausgeübt worden, hieß es kürzlich in
einem Brief des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Kassen und
Kliniken, des Verband der Universitätsklinika Deutschlands und
diverser Kassen an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Mit einem Preis von 2,1 Millionen Dollar (1,9 Millionen Euro) in den
USA ist Zolgensma eines der teuersten Medikamente überhaupt. Eine
einmalige Dosis soll Kindern mit Spinaler Muskelatrophie helfen. Mit
dieser seltenen Erkrankung kommt etwa eines von 10 000 Neugeborenen
auf die Welt. Auslöser ist ein Gendefekt, der dazu führt, dass die
Nerven im Rückenmark die Muskeln nicht ausreichend versorgen. In den
USA ist Zolgensma für Kinder bis zwei Jahre seit Mai zugelassen, bis
Ende September wurden laut Novartis rund 100 Patienten damit
behandelt. Für Deutschland und die EU rechnet Novartis mit 50
potenziellen Patienten und der Zulassung im ersten Quartal 2020.