Agenturmeldungen

Neues Cannabis-Gesetz: Gerangel um Kosten für Behandlungen

09.10.2017

Frankfurt/Main (dpa) - Gut ein halbes Jahr nach der Freigabe von
Cannabis auf Rezept in Deutschland hakt es noch bei der Abrechnung
der stark gestiegenen Hanf-Therapien. Hersteller von
Cannabis-Wirkstoffen kritisieren, die gesetzlichen Krankenkassen
würden nicht alle Kosten übernehmen. «Es gibt Anlaufschwierigkeiten»,
sagt Marla Luther, Deutschland-Chefin der Firma Tilray.

Die Ablehnungsquote der Kassen bei Cannabis-Therapien liege bei
geschätzten 50 Prozent. Auch Michael Popp, Vorstandsvorsitzender des
bayerischen Produzenten Bionorica, bemängelt eine noch «eher
zurückhaltende Kostenerstattung» bei den verschriebenen Arzneien.

Die Wirksamkeit von Cannabis sei bisher nicht vollends erforscht,
argumentieren die gesetzlichen Krankenkassen. In den ersten zwei
Monaten nach der Liberalisierung im März habe ihnen schon eine
«mittlere vierstellige Zahl» von Anträgen für entsprechende Präparate
vorgelegen, erklärte der GKV-Spitzenverband: «Deutlich über die
Hälfte konnten positiv beschieden werden, da die gesetzlichen
Anforderungen als erfüllt anzusehen waren.» Viele Anträge auf
Erstattung seien indes nicht vollständig oder fehlerhaft - etwa weil
Nachweis fehle, dass gängige Schmerztherapien ausgeschöpft seien.

Die Kassen würden bei jedem zugelassenen verschreibungspflichtigen
Medikament die Kosten übernehmen, betonte eine GKV-Sprecherin. Es
gebe aber Fragen der Arzneimittel-Sicherheit. Anders als bei üblichen
Medikamenten habe man bei Cannabis nicht vorab über Studien
nachweisen müssen, dass es sicher wirke. Verlässliche Informationen
zu Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Substanzen fehlten ebenso.