Agenturmeldungen

Nur wenig gesundheitlich beeinträchtigte Studenten beantragen Hilfe

24.09.2018

Rheuma, Depression, Epilepsie - an den Unis leiden Zehntausende unter
chronischen Krankheiten oder Behinderungen. Eigentlich soll es für
Studenten passende Bedingungen geben. Die Realität sieht oft anders
aus.

Berlin (dpa) - Deutschlandweit verzichten Zehntausende Studenten mit
einer chronischen Erkrankung oder Behinderung auf mögliche
Studienerleichterungen. Das zeigt eine am Montag in Berlin
vorgestellte Studie des Deutschen Studentenwerks und des Deutschen
Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Viele wüssten
über die Hilfsmöglichkeiten nicht Bescheid oder hätten Hemmungen,
sich als beeinträchtigt zu outen, sagte der Präsident des
Studentenwerks, Rolf-Dieter Postlep.

Insgesamt habe mehr als jeder Zehnte der rund 2,8 Millionen
Studierenden eine Behinderung oder chronische Krankheit. Mehr als die
Hälfte davon leidet unter psychischen Erkrankungen, jeder Fünfte hat
ein chronisches körperliches Leiden wie Rheuma oder Epilepsie. Dazu
kommen unter anderem Menschen mit Bewegungs- oder
Sinnesbeeinträchtigungen oder Legasthenie.

Neun von zehn dieser Studenten hätten Schwierigkeiten mit der
Organisation des Studiums, so die Umfrage. Ihnen machten eine hohe
Zahl von Prüfungen, Anwesenheits- und Zeitvorgaben Probleme. Aber nur
knapp jeder dritte Betroffene hat bei seiner Hochschule schon einmal
mögliche Erleichterungen beantragt - etwa einen individuellen
Studienplan, die Änderung der Bedingungen für Prüfungen oder die
Verlegung eines Praktikums.

Solche sogenannten Nachteilsausgleiche werden etwa beim
Prüfungsausschuss oder Prüfungsamt beantragt. In der Regel ist dafür
die Stellungnahme eines Facharztes oder Therapeuten nötig. Betroffene
sollten sich vorher mit den in fast allen Hochschulen zu findenden
Beratern für Behinderungen in Verbindung setzen, um die individuellen
Möglichkeiten zu erörtern, so das Studentenwerk. Die Beauftragten für
Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten behandelten
persönliche Angaben streng vertraulich.

Den Hochschulen warf Studentenwerkschef Postlep vor, Studienanfänger
zu wenig über solche Möglichkeiten zu informieren. «Das ist eine
Unterlassungssünde.» Oft lägen nur irgendwo entsprechende Broschüren
aus, das sei aber viel zu wenig. Der Grünen-Bildungsexperte Kai
Gehring rief auch Bund und Länder auf, die Betroffenen bei der
Gestaltung ihrer Förderprogramme stärker in den Blick zu nehmen.