Agenturmeldungen

Organspende: Bessere Beratung zu Patientenverfügungen gefordert

25.09.2019

Berlin (dpa) - In der Debatte um mehr Organspenden in Deutschland
haben Patientenschützer eine bessere Beratung zu Patientenverfügungen
gefordert. Diese seien mittlerweile weit verbreitet und hätten einen
großen Einfluss bei der Organspende, sagte der Vorstand der Deutschen
Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur.

Die meisten Menschen nutzen die Verfügungen, um eine Behandlung zu
begrenzen. «Sie wollen natürlich sterben und schließen deshalb
Intensivtherapie in unterschiedlichen Krankheitssituationen aus.» Wer
dies ablehne, schließe aber auch die Organspende aus, erläuterte
Brysch. «Dieses Problem ist den meisten Menschen nicht bewusst,
obwohl sie der Organspende grundsätzlich positiv gegenüberstehen.»

Viele Patientenverfügungen zeigten, dass es in der Praxis trotz
vieler Informationen oft nicht gelinge, einen solchen Widerspruch im
Text aufzulösen. «Es braucht daher eine umfassende und persönliche
Beratung», forderte Brysch. Sie müsse Pro und Contra benennen und
sich individuellen Fragen und Ängsten stellen. «Entscheidend ist,
dass ein solches Gespräch ergebnisoffen geführt wird.»

Mit grundlegenden Fragen der Organspende befasst sich am Mittwoch
auch der Gesundheitsausschuss des Bundestags in einer Anhörung.
Mehrere geladene Organisationen und Initiativen sprechen sich in
Stellungnahmen für eine «doppelte Widerspruchslösung» aus, die eine
Abgeordnetengruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) anstrebt.
Demnach sollen alle Volljährigen als Organspender gelten. Man soll
dazu aber später Nein sagen können. Dagegen wenden sich unter anderem
die beiden großen Kirchen.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie,
Robert Nuscheler, schlug eine Malus-Regelung vor. «Wer einer Spende
widerspricht, wird dann, wenn er selbst einmal ein Organ benötigt,
weiter hinten auf die Warteliste gesetzt», sagte er dem
Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). Es sei nicht einzusehen,
«warum Menschen, die nicht zur Organspende bereit sind, dieselben
Chancen auf ein Organ haben sollen wie potenzielle Spender».