Agenturmeldungen

Patienten werden künftig nach Klinikaufenthalt besser versorgt

27.09.2017

Berlin (dpa) - Patienten sollen künftig besser versorgt werden, wenn

sie nach einem Krankenhausaufenthalt nach Hause entlassen werden.

Dazu sollen die Krankenhausärzte den Patienten klare Instruktionen

mit auf den Weg geben, welche Medikamente und welche Nachbehandlungen

nötig sind. Vom 1. Oktober an gelten neue, verbindliche Regelungen

für ein «strukturiertes Entlassmanagement» nach einem

Krankenhausaufenthalt, wie der Spitzenverband der Gesetzlichen

Krankenversicherung (GKV) mitteilte.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes,

Johann-Magnus von Stackelberg, sagte der Deutschen Presse-Agentur:

«Bei dem neuen verbindlichen Entlassmanagement zeigt sich, wie gut es

für die Patienten ist, wenn alle in der Versorgungskette Hand in Hand

arbeiten.» Das Entlassmanagement war lange in der Kritik, weil die

Übergänge nicht gut geregelt waren und die Zusammenarbeit zwischen

den beiden Sektoren, Krankenhaus und behandelndem Kassenarzt, nicht

richtig funktionierten.

Wenn Patienten etwa zum Wochenende entlassen wurden, war es ihnen oft

nicht mehr möglich, wie vorgeschrieben, eine Krankschreibung von

einem niedergelassenen Arzt zu bekommen. Mit der Folge, dass unter

Umständen der Versicherungsschutz aufgehoben war. Auch standen aus

der Klinik entlassene Patienten vor allem auf dem Land häufig vor dem

Problem, wie sie in ihrem Zustand an die nötigen Medikamente kommen

konnten.

Nun können Krankenhausärzte mit abgeschlossener Facharztweiterbildung

im Entlassmanagement bei Bedarf Arzneimittel, Verband-, Heil- und

Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege und Soziotherapie für einen

Zeitraum von bis zu sieben Tagen verordnen sowie die

Arbeitsunfähigkeit feststellen. Für Verordnungen gelten die gleichen

Maßstäbe wie bei niedergelassenen Ärzten. Auf einer Verordnung werde

künftig nicht nur zu erkennen sein, in welchem Krankenhaus sie

ausgestellt wurde, sondern auch durch welchen Arzt, so der

GKV-Spitzenverband. Dazu soll für alle Klinikärzte bis Anfang 2019

eine persönliche Arztnummer eingeführt werden.

Auf die neuen Regelungen hatten sich im Sommer die Deutsche

Krankenhausgesellschaft (DKG), der GKV-Spitzenverband sowie die

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verständigt. Der

voraussichtliche Bedarf für die Anschlussversorgung wird anhand

schriftlicher Standards durch ein Krankenhaus-Team mehrerer

medizinischer Fachrichtungen festgestellt. Anschlussmaßnahmen sollten

frühzeitig eingeleitet und der weiter behandelnde Arzt

beziehungsweise die weiterversorgende Einrichtung rechtzeitig

informiert werden. Für das Entlassmanagement und die damit verbundene

Informationsübermittlung holt das Krankenhaus das schriftliche

Einverständnis der Patienten ein.

Eine Verbesserung des Entlassmanagements und damit die Schließung der

Versorgungslücken war im sogenannten Versorgungsstärkungsgesetz von

2015 festgeschrieben worden. Die zuständigen Organisationen der

Selbstverwaltung im Gesundheitswesen haben nun verabredet, wie dies

in der Praxis umgesetzt werden soll.

Seit der Abrechnung von Behandlungen im Krankenhaus nach

Fallpauschalen, den Diagnosis Related Groups (DRG), steigen die

Kosten einer Klinik mit der Länge der Verweildauer eines Patienten.

Es besteht also ein Anreiz, Patienten so früh wie möglich zu

entlassen. Die durchschnittliche Verweildauer hat sich laut

AOK-Bundesverband denn auch seit 1992 fast halbiert: von 13,3 Tagen

auf 7,5 Tage in 2013, Tendenz weiter fallend. Und je kürzer die

Verweildauer wird, umso wichtiger wird für den Patienten ein gutes

Entlassmanagement.