Agenturmeldungen

Patientenschützer: Kliniken rufen wenig Bundesmittel für Pflege ab

31.07.2017

Berlin (dpa) - Die Fördermittel des Bundes für mehr Pflegestellen in
Krankenhäusern werden nach Darstellung der Deutschen Stiftung
Patientenschutz nur zögerlich abgerufen. Stiftungsvorstand Eugen
Brysch sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Nicht einmal jede zweite
der mehr als 1200 berechtigten Kliniken in Deutschland nahm im ersten
Jahr Fördermittel in Anspruch, um zusätzliche Pflegestellen zu
schaffen.» Im Rahmen der Krankenhausstrukturreform, die 2016 in Kraft
trat, legte die Bundesregierung ein Programm auf, mit dem sie bis
2018 zusätzliche 6300 Stellen für die «Pflege am Krankenbett»
schaffen will.

Auch die Summe der abgerufenen Fördergelder bleibe mit 52 Millionen
Euro deutlich hinter den für 2016 vorgesehenen 110 Millionen Euro
zurück, kritisierte Brysch. Nur 1400 neue Stellen seien mit dem Geld
geschaffen worden. Um das Ziel von 6300 Stellen in drei Jahren zu
erreichen, wären 2016 schon 2100 Neuanstellungen nötig gewesen. Denn
angesichts des Fachkräftemangels werde es in den kommenden Jahren
immer schwieriger, zusätzliche Pflegekräfte zu finden, warnte Brysch.

Er forderte die Krankenhäuser auf, den Pflege-Job attraktiver zu
machen. Dazu zählten eine gute Bezahlung ebenso wie mehr
Verantwortung. Pflegekräfte sollten nicht nur «als Befehlsempfänger
der Ärzte arbeiten». Es gebe qualifizierte Kräfte, die medizinische
Aufgaben übernehmen könnten, etwa die Verabreichung von
Standardschmerzmitteln oder das Legen eines Zugangs für Infusionen.

Die Krankenhausstrukturreform beinhaltet unter anderem ein
Pflegestellen-Förderprogramm mit einem Mittelvolumen in den Jahren
2016 bis 2018 von insgesamt bis zu 660 Millionen Euro. Ab 2019 stehen
dauerhaft bis zu 330 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung.