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Pharma-Verband: Kostenargument der Kassen hemmt Arznei-Innovationen

11.04.2016

Mondpreise oder angemessene Vergütung innovativer Arzneimittel? Kurz vor Abschluss von Gesprächen über die Zukunft der Pharma-Branche streiten Industrie und Krankenversicherung wieder.  

Berlin (dpa) - Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) vorgehalten, die Kosten zum alleinigen Bewertungsmaßstab für innovative Präparate zu machen.

«Nach allen Berechnungen, die gegenwärtig vorliegen, sprengen bahnbrechende Innovationen gegen Infektionskrankheiten oder Krebs keineswegs die Budgets der Krankenkassen», sagte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer der Deutschen Presse-Agentur. «Trotzdem beharren die Kassen auf dem Kostenargument. Das ist nicht zum Wohle der Patienten.»

Der stellvertretende Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, hatte am Wochenende darauf hingewiesen, dass die Reform des Gesetzes zur Arzneimittelmarktneuordnung (AMNOG) von 2011 keineswegs die erwarteten Einsparungen gebracht habe. Zudem würden die Ärzte nicht ausreichend über neu auf den Markt kommende Arzneimittel informiert, sagte von Stackelberg der dpa.

Fischer hielt dem nun entgegen, dass gegenwärtig nicht «jeder Patient, der von einem Medikament profitieren könnte, dieses auch erhält. Die Versorgungsrate mit AMNOG-Innovationen ist zu gering.» Die Reform bewirke mehr Einsparungen als anfangs prognostiziert. «Bereits 2017 liegen diese voraussichtlich bei rund zwei Milliarden Euro.» 

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, sagte am Montag der dpa: «Wenn es tatsächlich so sein sollte, dass manche Menschen eine echte Innovation nicht verordnet bekommen, dann liegt das doch am Verschreibungsverhalten der Ärzte und nicht daran, dass die Kassen angeblich nicht genug für ein Medikament bezahlen.» Und zu den erwarteten Einsparungen durch die AMNOG-Reform bekräftigte er: «Fakt ist, dass das AMNOG 2015 lediglich 800 Millionen Euro gespart hat.» Die Einsparungen für 2017 seien erst noch abzuwarten.

Mit Blick auf den Krankenkassen-Vorwurf der «Mondpreise» im ersten Jahr nach Markteinführung, erklärte Fischer: «Das vielzitierte erste Jahr freier Preisbildung zu eliminieren, würde keines der Ausgabenprobleme der Kassen lösen, wohl aber die schnelle Verbreitung bahnbrechender Innovationen in der Versorgung gefährden.»

Mit Blick auf den Abschluss des Dialogprozesses zru Zukunft der Pharma-Branche zwischen Politik, Herstellern, Wissenschaft und Gewerkschaft an diesem Dienstag, sagte Fischer: «Es war richtig, dass der Spitzenverband der Krankenkassen bei wichtigen Fragen mit am Tisch des Pharmadialogs saß. Der Patientennutzen steht im Mittelpunkt - auch beim Pharmadialog.»

Der GKV-Spitzenverband erwartet vom Pharmadialog eine Verbesserung der Patientenversorgung. «Fatal wäre es, wenn am Ende dieses Dialogprozesses der Bundesregierung mit der Pharmaindustrie eine Verschlechterung für Patienten und Beitragszahler stünde», hatte von Stackelberg gesagt.