Agenturmeldungen

Preisbremse bei Arzneimitteln - Wirkung und Reformperspektiven

18.12.2017

Berlin (dpa) - Es war eines der umstrittensten Gesundheitsgesetze der

vergangenen Jahre - das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes

(AMNOG). Die Pharmaindustrie fürchtete um die Versorgung, als es 2011

in Kraft trat. Pharmakritiker sahen es als zu milde an. 

 

Heute ist klar, dass das Gesetz ein wesentliches Ziel erreicht. «Die

Kostenersparnis über das AMNOG beträgt derzeit 1,8 Milliarden Euro im

Jahr mit stark aufwachsender Tendenz», sagt der Vorsitzende des

Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken. Das Gremium bewertet

nach den Regeln des Gesetzes neue Medikamente - nur was wirklich mehr

bringt, soll auch mehr kosten. Dafür sollen - entsprechend der

Bewertung - Preisverhandlungen zwischen Kassen und Hersteller sorgen.

 

Der Spareffekt lag 2016 noch bei 1,3 Milliarden, 2018 sollen es über

2 Milliarden Euro sein. 243 neue Wirkstoffe seien bewertet worden -

bei satten 44 Prozent dieser neuen Medikamente ging der Daumen

runter. Sie erhielten die Bewertung: kein Zusatznutzen.

Schlechtere Versorgung werde nicht mehr befürchtet, sagt Hecken.

 

Beim Kassen-Spitzenverband wertet man das AMNOG als «echte

Zeitenwende». Vorbei seien die Zeiten, in denen die Industrie hohe

Erlöse erzielt habe, egal ob neue Mittel mehr brächten, sagt

Vize-Chef Johann-Magnus von Stackelberg. Doch aus Kassensicht gibt es

Schwachstellen - von der Regierung fordert Stackelberg Abhilfe. 

 

So könnten die Hersteller ein Jahr den Preis selbst bestimmen, bevor

die ausgehandelten Preise greifen. «Diese Regelungslücke ist doch

geradezu eine Einladung an die Hersteller, im ersten Jahr überzogen

zu kalkulieren», sagt Stackelberg. Um «Mondpreise» einzufangen, müsse

der verhandelte Preis rückwirkend ab dem ersten Tag der Zulassung

gelten. 

 

Nötig sei zudem ein Arztinformationssystem - Ärzte sollten so besser

industrieunabhängige Informationen über den zusätzlichen Nutzen von

Arzneimitteln und deren Preise erhalten. Die bisher beim

Bundesausschuss vorhandenen Informationen müssten im Praxisalltag

ankommen. «Wenn Ärzte wissen, ob ein neues Arzneimittel einen

Zusatznutzen hat, wie groß dieser ist und welche Patientengruppen

davon profitieren, können sie kranke Menschen auch besser versorgen.»