Agenturmeldungen

Spahn: Jugendschutz bei Alkohol und Tabak intensiver kontrollieren

26.11.2019

Alkohol und Zigaretten richten nach wie vor enorme Gesundheitsschäden
an. Da sollen vor allem junge Leute vor Abhängigkeit bewahrt werden.
Die Drogenbeauftragte fordert Tempo bei einem zentralen Instrument.

Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat ein
stärkeres Augenmerk auf Altersgrenzen beim Kauf von Alkohol und
Zigaretten in Kiosken und Gastronomie angemahnt. In manchen Kommunen
werde Falschparken deutlich intensiver kontrolliert als der
Jugendschutz, sagte Spahn am Montag bei einer Tagung in Berlin.

Alkohol, Tabak und E-Zigaretten dürfen an Kinder und Jugendliche
nicht abgegeben werden. Die Bundesdrogenbeauftragten Dagmar Ludwig
(CSU) forderte eine schnelle Verständigung der großen Koalition auf
ein umfassendes Werbeverbot fürs Rauchen einschließlich E-Zigaretten.
«Wir müssen bei dem Thema jetzt endlich den Sack zumachen.»

Wenn gerade Jugendliche an Schulbushaltestellen, im Kino oder online
zum Rauchen angeregt würden, sei das falsch, sagte Ludwig. Es solle
auch nicht zwischen Tabakprodukten und E-Zigaretten unterschieden
werden. Dies wäre das falsche Signal, E-Zigaretten seien vielleicht
etwas besser.

Ludwig machte zudem Bedenken gegen Fernsehwerbung für Alkohol etwa
bei Fußballspielen deutlich, die auch Kinder gern guckten. Wenn vor
der Champions-League-Übertragung «das Bier ins Glas plätschert», sei
das schwierig. Sie rief alle Beteiligten und auch Eltern auf, über
ihre Vorbildfunktion nachzudenken.

Über einen neuen Anlauf für Tabak-Werbeverbote verhandelt die große
Koalition schon seit mehreren Monaten, nachdem die Union generellen
Widerstand dagegen aufgegeben hat. Dabei geht es darum, bestehende
Beschränkungen auf Plakatwerbung und Kinos auszuweiten.

Im Gespräch ist, dass sie nicht nur für klassische Tabakprodukte
greifen sollen, sondern auch für E-Zigaretten. Spahn sagte, er hoffe,
dass es in den nächsten zwei, drei Wochen zu einem Ergebnis komme.
Verboten ist Tabakwerbung etwa schon in Radio und Fernsehen,
Zeitungen und Zeitschriften.

Mit Blick auf Cannabis sprach sich Spahn für eine offene Debatte
«ohne Scheuklappen» über möglich neue Ansätze aus. Dabei könne man
sich auch anschauen, was in anderen Ländern bei einer Legalisierung
passiere - unter anderem was die Kriminalität angehe.

Zu erklären sei in Diskussionen etwa mit Jugendlichen auch, dass es
im hiesigen Kulturraum eine anderen Umgang mit Alkohol gebe. Salopp
formuliert sei es so: «In der Bibel hat Jesus auch schon Wasser zu
Wein gemacht und nicht Gras zum Schwarzen Afghanen», sagte Spahn.
Zentral blieben in der Debatte die gesundheitlichen Folgen gerade bei
Jugendlichen.