Agenturmeldungen

Spahn kritisiert Missstände bei Behandlung psychischer Krankheiten

21.10.2019

 

Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat im
Umgang mit psychischen Krankheiten eine falsche Prioritätensetzung
kritisiert. «Mein Eindruck ist, dass die, die am dringendsten eine
Behandlung bräuchten - schwerste Depressionen, Schizophrenie, akute
Phasen - am ehesten überhaupt gar keinen Zugang finden», sagte Spahn
am Montag in Berlin. «Es gelingt aus meiner Sicht nicht gut genug,
die Prioritäten richtig zu setzen bei der Frage: «Wer kommt wie
schnell dran?»», sagte der CDU-Politiker.

Der Minister nahm am Montag im Gesundheitsministerium an der
Vorstellung des Projekts «Impression Depression» der
Robert-Enke-Stiftung teil. Mithilfe einer virtuellen Erfahrung will
die Stiftung mehr Verständnis für das Empfinden bei Depressionen
schaffen.

Dafür bekommen Nutzer eine sogenannte VR-Brille und Kopfhörer
aufgesetzt. Zudem hängt man sich etwa eine 10 Kilogramm schwere
Bleiweste um. Das Projekt biete die Chance Nicht-Betroffene zu
sensibilisieren und ihnen einen Eindruck vom Leben mit Depressionen
zu vermitteln, sagte Teresa Enke, die Ehefrau des verstorbenen
Fußballspielers.

Anlass der Aufklärungskampagne ist der zehnte Todestag des ehemaligen
Fußball-Nationalspielers. Robert Enke nahm sich am 10. November 2009
das Leben. Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann ist nach
Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe im Laufe des Lebens
von einer Depression betroffen.