Agenturmeldungen

Spahn lehnt unterschiedliche Behandlung bei Organ-Vergabe ab

26.09.2019

Berlin (dpa) - Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lehnt eine
unterschiedliche Behandlung von Organspendern und Nicht-Spendern bei
der Organvergabe ab. Er verstehe den Gedanken dahinter, aber zu Ende
gedacht, gerate man schnell auf die schiefe Bahn, wenn man
Unterstützung nur noch denjenigen gewähre, die sich regelkonform oder
erwartungskonform verhielten, sagte Spahn am Donnerstag in Berlin.
Eine solche Regelung wäre nach Ansicht Spahns verfassungsrechtlich
problematisch. «Ich möchte es aber auch politisch nicht», sagte er.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie,
Robert Nuscheler, hatte vorgeschlagen, dass diejenigen, die einer
Organspende widersprechen, selbst auf der Warteliste nach hinten
rutschen. Es sei nicht einzusehen, «warum Menschen, die nicht zur
Organspende bereit sind, dieselben Chancen auf ein Organ haben sollen
wie potenzielle Spender», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland
(Mittwoch).

Im Bundestag laufen zur Zeit Beratungen über eine Neuregelung der
Organspende. Eine Abgeordnetengruppe um Spahn strebt eine «doppelte
Widerspruchslösung» an. Demnach sollen alle Volljährigen als
Organspender gelten. Man soll dazu aber später Nein sagen können.
Daneben gibt es den Vorschlag einer Gruppe um Grünen-Chefin Annalena
Baerbock. Dieser sieht vor, alle Bürger mindestens alle zehn Jahre
beim Ausweisabholen auf das Thema Organspende anzusprechen. Über die
beiden Gesetzentwürfe soll der Bundestag voraussichtlich noch in
diesem Jahr in freier Abstimmung entscheiden. Auch die AfD hat einen
Antrag vorgelegt. Ziel ist es, angesichts von fast 10 000 Menschen
auf den Wartelisten zu mehr Spenden zu kommen.