Agenturmeldungen

SPD macht Aufwertung sozialer Berufe zum Wahlkampfthema

31.08.2017

Zwei Bundesministerinnen und eine Ministerpräsidentin stellen ein
Aktionsprogramm für Beschäftigte in Kitas, Kliniken oder Heimen vor.
Diese sollen mehr Geld und gesellschaftliche Anerkennung bekommen.

Mainz (dpa) - Mit einem Aktionsprogramm zur Aufwertung sozialer
Berufe will die SPD im Wahlkampf Punkte sammeln. Die Beschäftigten in
Kinderbetreuung, Pflege oder Sozialarbeit müssten endlich angemessene
Gehälter und mehr gesellschaftliche Anerkennung bekommen, forderten
die Bundesministerinnen Katarina Barley und Andrea Nahles zusammen
mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (alle
SPD) am Donnerstag in Mainz.

Zu den fünf Punkten des Programms gehört die Zahlung einer Vergütung
während einer gebührenfreien Ausbildung, höhere Löhne, Perspektiven
für den beruflichen Aufstieg, Schutz vor vermeidbaren Belastungen und
bessere Personalschlüssel sowie das Bemühen, mehr Männer als bisher
für soziale Berufe zu gewinnen.

«Das ist ein dickes Brett, davor schrecken wir nicht zurück», sagte
Barley. «Die 5,5 Millionen Beschäftigten in den Sozial- und
Gesundheitsberufen haben ehrliche gesellschaftliche Anerkennung und
Wertschätzung verdient.» Da 80 Prozent von ihnen Frauen seien, müsse
auch aus frauenpolitischer Sicht endlich gehandelt werden.

«Arbeit mit Menschen und für Menschen muss unter fairen Bedingungen
vonstatten gehen und braucht auch einen anständigen Lohn» forderte
Nahles. Für die kommunalen Kita-Träger müsse eine besondere
finanzielle Unterstützung gefunden werden. Nahles kritisierte, dass
«Löhne nicht in gleichem Maß gewachsen sind wie die Verantwortung».

Kritik an der Vorstellung des Programms kam von den Grünen und der
Linken. Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt sagte, die
SPD führe das Arbeitsministerium mit Ausnahme einer vierjährigen
Unterbrechung seit 1998 und hätte also Zeit genug gehabt, «dafür zu
sorgen, dass niedrige Löhne die soziale Ungleichheit in Deutschland
nicht weiter verschärfen».

Linken-Parteichef Bernd Riexinger kritisierte den Fünf-Punkte-Plan
als «zu dürftig». Langfristig dürfe keine Erziehungs- oder
Pflegekraft unter 3000 Euro brutto im Monat verdienen, damit diese
Menschen nicht in die Altersarmut abgleiten. Der Pflegemindestlohn
müsse auf 14,50 Euro erhöht werden.