Agenturmeldungen

Staatliche Agentur soll Weg für ausländische Pflegekräfte erleichtern

02.12.2019

 

Deutschland wird nicht jünger. Der Bedarf an Altenpflegern und
Krankenschwestern steigt. Können Fachkräfte aus dem Ausland helfen?

Berlin (dpa) - Die Einstellung von Pflegekräften aus dem Ausland soll
einfacher werden. Die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und
Pflegeberufe (Defa) mit Sitz in Saarbrücken will sich um Visaanträge,
Anerkennung von Berufserlaubnissen, Aufenthalts- und
Arbeitserlaubnisse kümmern und so dafür sorgen, dass Fachkräfte
binnen sechs Monaten nach Deutschland kommen können.

Derzeit dauert der Prozess nach Angaben des Gesundheitsministeriums
teils mehr als zwei Jahre. Über die Visaanträge würden zwar immer
noch die deutschen Auslandsvertretungen entscheiden, die Agentur
könne aber etwa dafür sorgen, dass die Anträge vollständig seien,
sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei der Vorstellung der
Agentur am Dienstag in Berlin.

Je nach Schätzung gebe es derzeit im Pflegebereich 50 000 bis 100 000
offene Stellen im Pflegebereich, betonte Spahn. «Wir werden eben auch
Fachkräfte aus dem Ausland brauchen»», sagte er. «Und der
Pflegebedarf wird weiter stark steigen.»

Das Saarland hat die Agentur bereits Anfang Oktober gegründet. Der
Bund trägt mit 4,7 Millionen Euro binnen vier Jahren einen Großteil
der Kosten. Krankenhäuser, Pflegeheime oder Personalagenturen
deutschlandweit können sich an die Defa wenden. Pro Pflegekraft wird
eine Bearbeitungsgebühr von 350 Euro fällig. Derzeit liegen laut
Ministerium rund 4200 Anträge bei der Agentur. Die ersten von ihr
unterstützten Pflegekräften sollen im zweiten Quartal des kommenden
Jahres in Deutschland eintreffen.

Zum Auftakt unterstützt die Defa mit ihren 15 bis 20 Mitarbeitern
vorerst die Anwerbung von Fachkräften nur aus Mexiko und den
Philippinen. Die Ausbildung dort seit gut, sagte Spahn. Nach der
Pilotphase könne der Kreis womöglich erweitert werden.

«Wir machen das nur mit Ländern, die eine besonders junge
Gesellschaft haben, die auch über den eigenen Bedarf ausbilden»,
sagte der Ministerpräsident des Saarlands, Tobias Hans (CDU). Spahn
betonte: «Wir wollen nicht anderen Ländern die Pflegekräfte klauen,
in Anführungszeichen.»

Die Agentur will sowohl Einrichtungen unterstützen, die bereits
konkrete Bewerber im Blick haben. Andererseits soll sie auf Wunsch
auch die Bewerberauswahl übernehmen oder Sprachkurse im Ausland
organisieren.

«Schnellere Visaerteilung und die rasche Arbeitserlaubnis wird den
Pflegenotstand nicht lindern», bemängelte der Vorstand der Deutschen
Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Gerade in der Pflege seien
Sprachbarrieren zudem sehr hinderlich. Um den Notstand zu beheben,
müssten Politik und Branche ihre «Hausaufgaben» machen: «Es gilt, bei
Bezahlung, Kompetenzen und Arbeitsbedingungen international
konkurrenzfähig zu werden. Doch hier hängt Deutschland hinterher.»