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Studie: Die Pille ist sicher - auch, was das Krebsrisiko angeht

24.03.2017

Weltweit nehmen bis zu 150 Millionen Frauen regelmäßig die Pille. Sie
schützt wirkungsvoll vor ungewollter Schwangerschaft - und
langfristig auch vor einigen Krebsarten, wie eine neue Analyse zeigt.

Aberdeen (dpa) - Pillen-Nutzerinnen müssen langfristig kein erhöhtes
Krebsrisiko fürchten. In einer mehrere Jahrzehnte umfassenden Studie
mit mehr als 40 000 Frauen in Großbritannien fanden Forscher, dass
sich das Krebsrisiko auf lange Sicht durch die Einnahme der
hormonellen Verhütungsmittel nicht erhöht - im Gegenteil: Vor einigen
Krebsarten scheint die Einnahme der Pille sogar zu schützen,
berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin «The American Journal of
Obstetrics and Gynecology».

Die Forscher um Lisa Iversen von der University of Aberdeen hatten
Daten von insgesamt 46 022 Frauen - Pillen-Nutzerinnen und
Nicht-Nutzerinnen - ausgewertet. Die Frauen wurden 1968 und 1969
gebeten, an der Studie teilzunehmen. Zunächst meldeten die
betreuenden Frauenärzte regelmäßig gesundheitliche Angaben an die
Forscher, später bekamen sie aus einem nationalen Zentralregister in
Schottland und England Meldungen zu eventuell aufgetretenen
Krebsfällen. Von einem Teil der Frauen bekamen die Forscher Daten bis
zum Jahr 2012. Es sei die am längsten laufende Studie zur
Untersuchung des Krebsrisikos durch Pilleneinnahme.

Die Daten zeigten, dass die Frauen noch 30 Jahre nach Einnahme der
Pille unter anderem ein geringeres Risiko für Eierstock- und
Dickdarmkrebs sowie für Tumoren an der Gebärmutterschleimhaut hatten.
Während der Einnahme der Pille war das Risiko für die Entstehung von
Brust- und Gebärmutterhalskrebs leicht erhöht. Dieses Risiko sank
innerhalb von fünf Jahren nach Absetzen der Pille allerdings wieder
auf den Normalwert. Insgesamt sei die Krebsrisiko-Bilanz also
neutral, schreiben die Forscher. Es gebe keine Hinweise auf ein
substanziell erhöhtes Langzeitrisiko für Frauen, die in der
Vergangenheit die Pille genommen haben.

Die Studie bekräftigt die Ergebnisse bisheriger Untersuchungen zum
Thema. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuletzt 2012 eine Bewertung
dazu vorgenommen und kam zu ganz ähnlichen Schlüssen: Kombinationen
aus Östrogenen und Gestagenen - die gängigen Hormonkombinationen in
der Pille - schützten demnach vor Eierstock-, Endometrium- und
möglicherweise Dickdarmkrebs und erhöhten das Risiko für Brust- und
Gebärmutterhalskrebs während der Einnahme leicht. Zahlreiche weitere
Krebsarten würden durch die Einnahme der Pille voraussichtlich nicht
beeinflusst. «Nach unserer Studie sehen wir keinen Anlass, diese
Einschätzung neuerlich zu überprüfen», schreiben die Forscher um
Iversen.

Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung seien im Grunde längst
bekannt, sagt auch Jenny Chang-Claude, Leiterin der Arbeitsgruppe
Genetische Epidemiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in
Heidelberg. «Was hier noch mal belegt wird ist, dass Frauen, die die
Pille genommen haben, auch langfristig keine Sorgen vor Krebs haben
müssen.» Das leicht erhöhte Risiko für Brustkrebs und
Gebärmutterhalskrebs während der Einnahme der Pille sei kein Grund,
auf die sichere Verhütungsmethode zu verzichten, wenn keine
anderweitigen Gründe medizinischen Gründe dagegen sprechen.