Agenturmeldungen

Studie: Immer mehr Menschen wegen psychischer Krankheit berufsunfähig

24.04.2019

Eine steigende Zahl von Arbeitnehmern wird wegen psychischer Probleme
krank geschrieben. Und das hat langfristige Folgen.

Garching (dpa) - Burnout, Depression, Angststörungen und andere
psychische Erkrankungen sind nach einer neuen Studie der Swiss Life
die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit in Deutschland. Laut
einer Analyse der Versicherung ist eine psychische Erkrankung bei
weit über einem Drittel - 37 Prozent der Fälle - Ursache des
vorzeitigen Ausscheidens aus dem Arbeitsleben.

«Allein in den letzten zehn Jahren registrieren wir in diesem Segment
eine Zunahme um 40 Prozent», sagte Amar Banerjee, Leiter der
Versicherungsproduktion von Swiss Life Deutschland in Garching bei
München. Damit einhergehen dürfte nach Einschätzung des Unternehmens
die Zunahme von Stress, Leistungsdruck und mangelndem Ausgleich im
Arbeitsleben.

Der Versicherer wertete die Daten seiner Kunden aus. Nach psychischen
Erkrankungen folgen Krankheiten des Bewegungsapparats mit 24 Prozent
vor Unfällen mit knapp 14 Prozent. Die Swiss Life ist nach eigenen
Angaben bei Berufsunfähigkeitsversicherungen Nummer sieben auf dem
deutschen Markt, absolute Zahlen nannte das Unternehmen nicht.

Die Analyse deckt sich aber mit Zahlen der Rentenversicherung des
Bundes in Berlin. Frauen sind offensichtlich sehr viel gefährdeter
als Männer: Bei Frauen gehen laut der Swiss-Life-Studie 44 Prozent
der Berufsunfähigkeiten auf eine psychische Erkrankung zurück, bei
Männern sind es lediglich 28 Prozent. Außerdem werden Frauen häufiger
bereits in jungen Jahren psychisch krank, bei Männern treten diese
Diagnosen erst in der zweiten Lebenshälfte vermehrt auf.

Besonders deutlich wird der Trend im Langfristvergleich: Die
gesetzliche Rentenversicherung des Bundes zahlte 1983 weniger als
zehn Prozent der Erwerbsminderungsrenten wegen psychischer Störungen,
2017 war es bereits fast die Hälfte - 41 186 von 83 583 Fällen.

Auch die Rentenversicherung registriert in den vergangenen zehn
Jahren eine besonders starke Zunahme psychischer Erkrankungen: 2018
wurden über 170 000 stationäre Rehabilitationen wegen psychischer
Krankheiten bewilligt, über 50 000 mehr als zehn Jahre zuvor. Auch
das entspricht einem Anstieg von 40 Prozent.

Die Fachleute der Rentenversicherung gehen aber nicht davon aus, dass
die Bundesbürger heute häufiger psychisch krank werden als in
früheren Jahrzehnten - sondern lediglich davon, dass Depressionen,
Burnout und andere Leiden heute besser erkannt und damit häufiger
diagnostiziert werden.