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TK: Beitragszahler vor «Mondpreisen» bei Arzneimitteln schützen

04.01.2016

Berlin (dpa) - Fünf Jahre nach Inkrafttreten der Reform des Arzneimittelmarktes hat die Techniker Krankenkasse (TK) bessere Interventionsmöglichkeiten des Staates gegen überhöhte Arzneimittelpreise verlangt. «Wir wollen Fortschritt, und die Pharmaindustrie soll auch vernünftige Gewinne machen. Aber es muss einen Schutz für die Beitragszahler gegen Mondpreise geben», sagte TK-Chef Jens Baas der Deutschen Presse-Agentur. In Preisverhandlungen seien die gesetzlichen Krankenkassen, zumal bei hoch wirksamen Präparaten wie dem Hepatitis-C-Medikament Sovaldi, «in einer schlechten Position».

Nach Vorstellung des TK-Chefs muss das am 1. Januar 2011 in Kraft getretene Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) so weiterentwickelt werden, dass die Krankenkassen ein stärkeres Gegengewicht gegenüber der Industrie bilden. «Hier muss das AMNOG mehr Möglichkeiten bieten, in die Preisgestaltung mit einzugreifen und zwar auch rückwirkend zur Markteinführung.» Ansonsten habe die Industrie weiter die Möglichkeit, im ersten Jahr bis zur Vereinbarung eines Erstattungsbetrages einen reinen «Den-hätten-wir-gern-Preis» zu verlangen, «der dann nichts mehr mit dem zu tun hat, was die Forschungskosten waren».

Baas zeigte zugleich Verständnis für die Position der Industrie, die die rabattierten Preise gerne geheimhalten wolle. Wenn die Preise öffentlich seien, würden sie als Basis genommen für die ganze Welt, zumindest aber für Europa. Die Hersteller würden also entsprechend härter um einen hohen oder gar überhöhten Preis kämpfen. Die TK schlägt daher die Möglichkeit vor, die Preisverhandlungen, etwa über eine Rabattierung, geheim zu führen.