Agenturmeldungen

Weitere Vorschläge für mehr Impfungen gegen Masern

16.04.2019

Manche Eltern wollen ihre Kinder nicht gegen Masern impfen lassen.
Die Bundesregierung prüft deswegen Möglichkeiten für eine Pflicht.
Gibt es noch andere Wege, gefährliche Ansteckungen zu vermeiden?

Berlin (dpa) - In der Debatte über verpflichtende Masern-Impfungen
für Kinder werden auch weitere Vorschläge zum besseren
Gesundheitsschutz laut. Vor allem bei Erwachsenen zwischen 30 und 50
Jahren sei die Zahl der Geimpften noch immer zu gering, sagte
Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt dem Redaktionsnetzwerk
Deutschland (Dienstag). Dafür sei es nötig, prüfen zu können, wann
und ob geimpft werden müsse. «Viele Menschen wissen aber gar nicht,
wo ihr Impfpass gerade ist und haben ihn auch bei Arztbesuchen nicht
dabei.» Daher solle ein digitaler Impfausweis Teil der elektronischen
Patientenakten sein, die die Kassen bis 2021 als freiwilliges Angebot
einführen sollen.

Der Chef der Impfprävention beim bundeseigenen Robert Koch-Institut,
Ole Wichmann, sagte dem Sender Bayern 2 am Dienstag: «Bevor man mit
so einem Instrument wie der Impfpflicht ankommt, muss man genau
abwägen, was man damit erreichen kann. Ich persönlich bin nicht ganz
so überzeugt, dass wir damit ganz so viel anstellen können.»

Bei Masern gebe es altersspezifische Impflücken, vor allem bei
Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Älteren, erläuterte Wichmann.
Bei Kleinkindern gebe es eine hohe Impfquote durch die
verpflichtenden U-Untersuchungen. Bevor eine Impfpflicht eingeführt
werde, sollten eher andere Dinge optimiert werden, wie ein
verstärktes Werben von Krankenkassen und Ärzten für Untersuchungen
von Jugendlichen («J-Untersuchungen»).

Die Bundesregierung bereitet Vorschläge für eine Impfpflicht vor, die
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Mai vorlegen will. Er hatte
sich grundsätzlich für verpflichtende Masern-Impfungen für Kinder in
Kitas und Schulen ausgesprochen. Auch die SPD unterstützt das.

Die Unions-Expertin Karin Maag (CDU) sagte, Impfgegner vergrößerten
das Gesundheitsrisiko für die Allgemeinheit, denn Masern seien eine
schwerwiegende Erkrankung. Sie halte es daher für richtig, eine
Impflicht einzuführen. Linke-Chef Bernd Riexinger sagte den Zeitungen
der Funke-Mediengruppe: «Im konkreten Fall der Masern spreche ich
mich dafür aus, dass Kinder in Zukunft gegen Masern geimpft werden
müssen, bevor sie in Kitas und Tagespflegeeinrichtungen in
Kontakt mit anderen Kindern kommen.»