Agenturmeldungen

Zeitung: Krankmeldungen wegen Kindern in zehn Jahren verdoppelt

10.10.2017

Kinderbetreuung braucht Zeit - auch und gerade, wenn Kinder kranksind. Immer mehr Eltern nehmen sich diese. Die Arbeitgeber stehen demaufgeschlossen gegenüber.

Berlin (dpa) - Immer mehr Eltern melden sich wegen der Erkrankung
eines Kindes arbeitsunfähig. Die Zahl der Fälle hat sich innerhalb
von zehn Jahren mehr als verdoppelt: Im vorigen Jahr wurden 2,455
Millionen Fälle registriert. 2007 hatten sich noch 1,06 Millionen
Eltern «kinderkrank» gemeldet, wie die «Frankfurter Allgemeine
Zeitung» (Dienstag) unter Berufung auf das Gesundheitsministerium
berichtete.

Auch die Krankheitstage haben sich demnach verdoppelt, von 2,7 auf
5,5 Millionen. Die gesetzlichen Kassen zahlten dafür 223 Millionen
Euro. 2007 seien es noch 106 Millionen Euro gewesen, wie aus der
Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Grünen-Anfrage
hervorgeht.

Eltern können sich bis zu zehn Tage im Jahr arbeitsunfähig melden,
weil ein Kind krank ist. Sie bekommen auf Antrag von der Kasse bis zu
70 Prozent des entgangenen Brutto- oder 90 Prozent des Nettolohnes
erstattet. Seit 2015 gilt das auch für die Betreuung
pflegebedürftiger Angehöriger.

Die Grünen-Familienpolitikerin Franziska Brantner, für die das
Ministerium die Daten aufbereitete, erklärte, im Berufsalltag laufe
nur dann alles gut, wenn niemand in der Familie krank werde. Eltern
und vor allem Alleinerziehende stünden unter hohem Druck. «Wir
brauchen mehr Zeit für Familien und eine familien-freundlichere
Arbeitswelt.»

Es reiche nicht, lediglich ein Gesetz zu schaffen, welches bestimmte
Dinge auf dem Papier ermöglicht. «Man muss dafür Sorge tragen, dass
dies auch in der Praxis umgesetzt werden kann und tatsächlich bei der
Zielgruppe zu der versprochenen Erleichterung führt.»

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer nannte es gegenüber der Zeitung
erfreulich, dass immer mehr Frauen nach der Geburt eines Kindes in
den Job zurückkehren. Dafür seien gute Rahmenbedingungen wichtig, wie
bedarfsgerechte Ganztagskinderbetreuung in Kitas, Kindergärten und
Schulen sowie ergänzend flexible Lösungen der Betriebe. «Dazu zählt
auch die Option, dass Eltern ihr krankes Kind zu Hause betreuen»,