Agenturmeldungen

Ärztekammer: 2245 Behandlungsfehler im vergangenen Jahr nachgewiesen

23.03.2017

«Fehler passieren - auch in der Medizin.» Nur da können sie
erhebliche Folgen haben - bis hin zum Tod. In der Statistik der
Bundesärztekammer tauchen übrigens nur Fehler auf, wenn sich ein
Patient beschwert.

Berlin (dpa) - Die Zahl der ärztlichen Behandlungsfehler in
Deutschland hat sich nach Angaben der Bundesärztekammer (BÄK) in den
vergangenen Jahren kaum verändert. 2016 trafen die
Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft
bundesweit 7639 Entscheidungen zu Beschwerden von Patienten über
Behandlungsfehler, gut 400 mehr als im Vorjahr. In 2245 Fällen (2015:
2132; 2014: 2252) habe tatsächlich ein Behandlungsfehler oder eine
mangelnde Risikoaufklärung vorgelegen. Dies geht aus der jährlichen
statistischen Erhebung der BÄK hervor, die am Donnerstag in Berlin
vorgestellt wurde.

In 1845 Fällen habe die Behandlung einen gesundheitlichen Schaden
verursacht, der dann zu einem Anspruch des Patienten auf
Entschädigung führte. In 96 Fällen starb der Patient an dem Fehler.
In 400 Fälle konnte kein Zusammenhang zwischen Behandlungsfehler und
einer nachfolgenden Gesundheitsschädigung festgestellt werden.

Allerdings werden nur Fälle in die Statistik aufgenommen, wenn eine
Beschwerde von Patienten vorliegt. Ärzte, Pfleger oder andere
Mitarbeiter eines Krankenhauses oder einer Praxis sind nicht
verpflichtet, Fehler zu melden, wenn ihnen welche auffallen. Zudem
werden mögliche Behandlungsfehler, die wegen mangelnder Hygiene zu
Infektionen führten, in dieser Statistik nicht berücksichtigt.

An der Spitze der Beschwerden, bei denen der Antrag 2016 zur
Entscheidung kam, lagen Arthrosen und Knochenbrücke: Knie- und
Hüftarthrosebehandlungen mit 577 Fällen gefolgt von Unterschenkel-
und Sprunggelenkfrakturen (171 Beschwerden), Unterarmbrüchen (162)
sowie Schulter und Oberarmfrakturen (154).

Die Ärztekammer verwies auf die ständig steigende Zahl an
Behandlungen. Im ambulanten Bereich habe sie demnach zwischen 2004
und 2015 um 160 Millionen auf mittlerweile 696 Millionen zugenommen.
In Krankenhäusern habe sich die Zahl im gleichen Zeitraum um mehr als
2,5 Millionen auf fast 19,8 Millionen Fälle erhöht.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch,
forderte in der der «Heilbronner Stimme» (Donnerstag), die Beweislast
bei Behandlungsfehlern müsse zugunsten der Opfer umgekehrt werden.
Auch fehle immer noch ein sofort greifender Härtefallfonds. Notwendig
sei zudem die Einführung eines Zentralregisters zur Erfassung von
Behandlungsfehlern. «Ärztekammern, Krankenkassen und Gerichte sammeln
Behandlungsfehler weiter nebeneinander her. Noch immer lehnt die
Bundesregierung die zentrale Erfassung aller Fälle ab.»

Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen
(MDS) forderte ebenfalls einen besseren Schutz von Patienten. Stefan
Gronemeyer, stellvertretender MDS-Geschäftsführer, sagte der Zeitung,
eine gesetzliche Meldepflicht für Behandlungsfehler sei sinnvoll und
notwendig.