Agenturmeldungen

Ärztekammer: Leichter Rückgang bei Behandlungsfehlern II

04.04.2018

Wenn Patienten nach einer Operation Probleme haben, stellt sich die
Frage: Lief beim Eingriff eigentlich alles so, wie es hätte sein
müssen? Die Beschwerdestellen der Ärzte zogen nun Bilanz.

Berlin (dpa) - Die Zahl der festgestellten Behandlungsfehler in
Krankenhäusern und Praxen in Deutschland ist im vergangenen Jahr nach
Daten der Ärzte leicht gesunken. Bestätigt wurden 2213 Fälle - nach
2245 Fällen im Jahr 2016, wie die Bundesärztekammer am Dienstag in
Berlin mitteilte. Zum Tod von Patienten führten Behandlungsfehler
demnach in 62 der nun festgestellten Fälle (2016: 96 Fälle). Die
meisten Beschwerden bei den Gutachtern und Schlichtungsstellen der
Ärzteschaft betrafen weiterhin Operationen an Knien und Hüftgelenken
sowie Eingriffen wegen Brüchen von Unterschenkel und Sprunggelenk.

Jeder Fehler sei einer zu viel, betonte die Ärztekammer. Gemessen an
jährlich 19,5 Millionen Behandlungen in Krankenhäusern und rund einer
Milliarde Arztkontakten in Praxen liege die Zahl bestätigter Fälle
aber im Promillebereich. Ursache für Gesundheitsschäden waren Fehler
oder Mängel in der Risikoaufklärung laut Statistik nun in 1783 Fällen
- nach 1845 Fällen im Jahr zuvor. Drei Viertel der Beschwerden wegen
möglicher Behandlungsfehler betrafen Krankenhäuser, ein Viertel
Arztpraxen.

Insgesamt trafen die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen
für außergerichtliche Lösungen im vergangenen Jahr bundesweit 7307
Entscheidungen zu mutmaßlichen Fehlern (2016: 7639). Dafür beurteilen
Experten, inwiefern eine Behandlung zum jeweiligen Zeitpunkt dem
anerkannten medizinischen Standard entsprochen hat.

Neben der Ärzteschaft gehen auch die Medizinischen Dienste der
Krankenkassen Behandlungsfehlern nach. Im Jahr 2016 erstellten sie
rund 15 000 Gutachten, in knapp jedem vierten Fall wurden Fehler
bestätigt. Wie viele Patienten sich direkt an Gerichte, Anwälte oder
Versicherungen wenden, ist unbekannt. Nach Schätzungen der Ärzte
dürfte die Beschwerdezahl etwa bei 40 000 pro Jahr liegen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte die Schaffung eines
bundesweiten Zentralregisters. «Hier müssen nicht nur die ärztlichen
Behandlungsfehler, sondern auch alle Fehler in der Pflege erfasst
werden», sagte Vorstand Eugen Brysch. Nur eine umfassende Statistik
zeige rasch, wo es schief laufe und wo Gegenmaßnahmen wirken könnten.
Der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hardy
Müller, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Es gibt zu viele Fälle,
und es gibt Instrumente dagegen, die wir anwenden können.» Wichtig
sei, dass alle Beteiligten die Sicherheitskultur weiterentwickelten.

Für die Bundesärztekammer warnte der Vorsitzende der Konferenz der
Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, Andreas Crusius,
Medizinern wegen Fehlern pauschal Pfusch vorzuwerfen. «Es ist keine
hohle Phrase, dass die Sicherheit ihrer Patienten für Ärzte immer an
erster Stelle steht.» Zwischen Heilen und Schaden liege bei
Behandlungen aber generell ein schmaler Grat. Crusius betonte:
«Behandlungsdruck kann Behandlungsfehler begünstigen.» Nach
jahrelangen Einsparungen im Gesundheitswesen arbeiteten Ärzte in
allen Versorgungsbereichen am Limit und manchmal darüber hinaus.