Agenturmeldungen

Ärztekammer: Reformen nach Organspende-Skandal greifen

05.05.2015

Göttingen (dpa) - Knapp drei Jahre nach Bekanntwerden des Göttinger Organspende-Skandals sehen Experten große Fortschritte. Die Reformen im deutschen Transplantationssystem hätten auch eine Abschreckungsfunktion, betonte der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer, Hans Lilie. «Kein Chirurg wird mehr Manipulationen wagen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Mediziner wüssten, dass sonst ihre Karriere zu Ende wäre.

Der Göttinger Organspende-Skandal war im Sommer 2012 bekanntgeworden.

Ein Leberchirurg soll seine Patienten auf dem Papier kranker gemacht haben, als sie waren, um schneller an Spenderorgane zu kommen. Als Konsequenz daraus entscheidet heute nicht mehr ein einzelner Arzt, sondern ein Team darüber, welcher Patient für die Organ-Warteliste gemeldet wird. Der Deutschen Stiftung Patientenschutz gehen die Reformen aber nicht weit genug.

An diesem Mittwoch (6. Mai) wird das Urteil gegen den ehemaligen Chef der Göttinger Transplantations-Chirurgie erwartet. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag in elf Fällen und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen. Der Mediziner streitet die Vorwürfe ab.