Agenturmeldungen

Alkohol und Tabak lassen das Gehirn schneller altern

31.01.2020

Krebs, Herzinfarkt, Leberschäden - dass gewohnheitsmäßiges Rauchen
und Trinken der Gesundheit schadet, ist hinlänglich bekannt. Forscher
zeigen nun, dass auch das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wird.

Los Angeles (dpa) - Regelmäßiger Alkohol- und Tabakkonsum lässt das
Gehirn etwas schneller altern. Zu diesem Ergebnis kommen
Wissenschaftler, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI)
Aufnahmen des Gehirns mit den Rauch- und Trinkgewohnheiten der
Menschen in Verbindung gebracht haben. Das Team um Arthur Toga von
der University of Southern California in Los Angeles (Kalifornien,
USA) stellt seine Ergebnisse im Fachmagazin «Scientific Reports» vor.

«Es ist bekannt, dass bestimmte Lebensgewohnheiten mit einem
beschleunigten Abbau in bestimmten Gehirnregionen verbunden sind»,
schreiben die Forscher. Wie sich das Rauchen und Trinken sowie
genetische Faktoren auf die Alterung der Strukturen im ganzen Gehirn
auswirke, sei jedoch weitgehend ungeklärt. Deshalb griffen Toga und
Kollegen auf Daten der «UK Biobank» zurück, in der Scans des gesamten
Gehirns mit Lebensgewohnheiten der Probanden verknüpft sind.

Von den 17 308 Magnetresonanztomographie-Aufnahmen verwendeten die
Wissenschaftler 30 Prozent, um mittels KI ein statistisches Modell zu
trainieren. Sie brachten dem Modell bei, aufgrund der MRT-Bilder das
relative Gehirnalter eines einzelnen Probanden zu ermitteln. Das ist
das Gehirnalter einer Person im Vergleich zum durchschnittlichen
Gehirnalter seiner Altersgenossen. Es zeigt also an, ob das Gehirn
älter oder jünger ist als es dem tatsächlichen Alter entspricht. Mit
dem trainierten Modell ermittelten sie dann das relative Gehirnalter
der übrigen 70 Prozent der Probanden.

In Hirnleistungstests hatten die Personen mit einem niedrigeren
Gehirnalter besser abgeschnitten als diejenigen mit einem höheren
Gehirnalter.

Das Team um Toga fand statistisch bedeutsame, wenn auch geringe
Einflüsse des Rauchens und des Alkoholkonsums auf das relative
Gehirnalter. Jedes Jahr, in der eine Person täglich oder fast täglich
eine Packung Zigaretten raucht, lässt das Gehirn demnach um
zusätzlich 0,03 Jahre altern, also etwa um 11 Tage. Jedes Gramm
Alkohol mehr, das eine Person pro Tag zu sich nimmt, erhöht das
relative Gehirnalter um 0,02 Jahre. Das entspricht in etwa 7 Tagen.
Die Forscher fanden keinen Hinweis darauf, dass die Auswirkungen des
Alkoholkonsums auf das Gehirn die Auswirkungen des Tabakkonsums
beeinflussen oder umgekehrt.

Die Wissenschaftler untersuchten auch die Effekte von mehr als
500 000 Punktmutationen auf das Gehirnalter. Das sind Veränderungen
an einzelnen Basenpaaren im Erbgut. Lediglich bei einem Gen fanden
sie einen statistisch bedeutsamen Zusammenhang. Das Gen - MAPT
genannt - sorgt für die Herstellung des Tau-Proteins, das auch mit
der Entwicklung von Demenz und der Parkinson-Krankheit in Verbindung
steht.

Toga und Kollegen gestehen ein, dass die Zusammenhänge nicht
besonders groß sind. Allerdings seien alle Probanden Menschen mit
normalen Gehirnfunktionen. Wenn Personen mit eingeschränkten
Gehirnfunktionen in eine Untersuchung einbezogen würden, könne das
Ergebnis deutlicher ausfallen.