Agenturmeldungen

BGH verhandelt über Göttinger Organspende-Skandal

26.06.2017

Göttingen/Leipzig (dpa) - Die juristische Aufarbeitung des Göttinger
Transplantations-Skandals geht in die entscheidende Runde. Der 5.
Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) in Leipzig wird am Mittwoch
über die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des
Landgerichts Göttingen verhandeln. Das Gericht hatte den früheren
Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin im Mai 2015
freigesprochen. Es wird erwartet, dass der BGH noch am Mittwoch
entscheidet.

Das Landgericht bescheinigte dem Chirurgen zwar Manipulationen
medizinischer Daten, die eine schnellere Zuteilung von Organen für
seine Patienten bewirkt hätten. Das Gericht sah darin aber keine
strafbare Handlung.

Die Staatsanwaltschaft dagegen hatte acht Jahre Haft gefordert. Sie
wertete es als versuchten Totschlag, dass andere schwerkranke
Patienten durch die Manipulationen des Arztes auf der Warteliste nach
unten gerutscht und dadurch möglicherweise kein lebensrettendes Organ
bekommen hatten. Nach Bekanntwerden des Skandals im Jahr 2012 war die
Zahl der Organspenden in Deutschland gesunken.