Agenturmeldungen

Der sensible Umgang mit lebenden Organen in toten Körpern

27.11.2015

Nach manipulierten Transplantationen wirbt die Ärzteschaft bei potenziellen Organspendern um Vertrauen. Doch die sind immer noch zurückhaltend. Der Umgang mit dem Tod bleibt ein sensibles Thema.

Berlin (dpa) - Die im Jahr 2012 aufgedeckten Transplantationsskandale haben zu massiven Verunsicherungen potenzieller Organspender geführt.

Deren Zahl ist zwar zuletzt wieder etwas gestiegen, aber eine Trendwende ist dies noch nicht. Die Bundesregierung hat inzwischen die Kontrollen verschärft. Die Ärzteschaft ist bemüht, den Schaden wiedergutzumachen. Prüfungskommission und Überwachungskommission für Transplantationen sagen aber auch, beim überwiegenden Teil der Transplantationen sei es schon immer mit rechten Dingen zu gegangen.

Wie werden Spenderorgane vergeben?

Die Vergabe von Spenderorganen läuft über die Stiftung Eurotransplant im niederländischen Leiden. Dort laufen die Daten aller Patienten zusammen, die auf ein Spenderorgan warten, sowie die Daten der gespendeten Organe. Computergesteuert werden dort nach medizinischen Kriterien passendes Organ und Empfänger zusammengebracht.

Eurotransplant sind laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) neben den Niederlanden auch Belgien, Luxemburg, Kroatien, Österreich, Slowenien und Deutschland angeschlossen.

Muss sich ein Organspender registrieren lassen?

Nein. In Deutschland gibt es dafür kein Register. Es reicht aus, einen Organspendeausweis auszufüllen und diesen mit dem Personalausweis bei sich zu tragen. Wenn der Spender seine Meinung wieder ändert, muss er einfach den Spenderausweis vernichten.

Wird zwischen privat und gesetzlich versichert unterschieden?

Nein. Die Vergabe erfolgt ausschließlich nach medizinischen Erwägungen wie Dringlichkeit und Erfolgsaussicht.

Wer informiert über das Thema Organspende?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat ein gebührenfreies Infotelefon eingerichtet: 0800 9040400 von Montag bis Freitag zwischen 9.00 und 18.00 Uhr. Anfragen, Anzeigen und Beschwerden kann man auch anonym an die Vertrauensstelle Transplantationsmedizin richten.

Wie haben die Ärzte manipuliert?

Um auf der Warteliste nach vorne zu rutschen, haben Ärzte ihre Patienten kränker gemacht, als sie in Wirklichkeit waren. Das haben sie zum Teil mit Medikamenten bewirkt, zum Teil haben sie einfach die Berichte gefälscht. Je kränker ein Patient ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, schnell an ein Spenderorgan zu kommen. Der Arzt kann dann bei Eurotransplant einen sogenannten Hochdringlichkeitsantrag stellen.

Was hat Ärzte zur Manipulation bewogen?

Finanzielle Gründe seien es nicht gewesen, wurde am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahresberichts 2014/2015 der Prüfungskommission und der Überwachungskommission für Transplantationen deutlich.

Möglich sei, dass die Ärzte durch viele Transplantationen sich und ihr Zentrum gut darstellen wollten. Möglich sei aber auch, dass sie einfach das Leben ihres Patienten retten wollten.

Welche Möglichkeiten der Transplantation gibt es?

Es gibt Lebendtransplantationen etwa bei Nieren, und es gibt Transplantationen bei Menschen, die am Hirntod gestorben sind. Laut Vertrauensstelle Transplantationsmedizin wird das Thema Lebendspende an Bedeutung gewinnen. Vermehrte Anfragen von Betroffenen zeigten hier, dass länderübergreifend verbindliche Richtlinien für ganz Deutschland erarbeitet werden müssten.

Wie die Vertrauensstelle weiter mitteilte, gibt es vermehrt Anfragen, ob auch Flüchtlinge in Deutschland für Transplantationen in beide Richtungen infrage kommen. Hier gelte, dass Flüchtlinge nicht grundsätzlich von der Organtransplantation ausgeschlossen seien.

Was ist die Voraussetzung für eine Transplantation bei Hirntod?

Laut Bundesärztekammer ist Hirntod definiert als «Zustand der irreversiblen erloschenen Gesamtfunktion des Groß- und Kleinhirns und des Hirnstamms». Zwei erfahrene Ärzte müssen unabhängig von einander und nach einem genau vorgegebenen Verfahren den Hirntod feststellen.

Sie dürfen selbst kein Interesse an der Transplantation haben.

Gibt es Altersgrenzen für die Organspende?

Nein. Entscheidend ist der Zustand der Organe.