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Deutschland holt bei Älteren im Job auf - Frauen im Renten-Nachteil

05.12.2017

 Berlin (dpa) - Bei der Beschäftigung Älterer hat Deutschland einer

Studie zufolge im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren

am meisten zugelegt. An anderer Stelle ist Deutschland im Vergleich

der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

(OECD) dagegen Schlusslicht: Frauen hinken Männern bei den

Alterseinkünften hierzulande am stärksten hinterher. Auch für

Niedrigverdiener im Alter habe Deutschland vergleichsweise wenig

getan, teilte die OECD mit der Veröffentlichung einer neuen Studie am

Dienstag in Berlin mit.

 

Bei den 55- bis 64-Jährigen hat Deutschland seit 2000 die

Beschäftigungsrate um mehr als 30 Prozentpunkte gesteigert. Für die

OECD-Experten ist dies eine ausgesprochen positive Entwicklung:

Längeres Arbeiten entlaste die Rentenfinanzen, und die künftigen

Alterseinkünfte gerieten im demografischen Wandel weniger stark unter

Druck.

 

Bei den 55- bis 59-Jährigen sind in Deutschland etwa 80 Prozent in

Beschäftigung, bei den 60- bis 64-Jährigen noch rund 56 Prozent.

Während sich diese Werte über OECD-Durchschnitt bewegen, liegt

Deutschland bei den 65- bis 69-Jährigen etwa zwei Prozentpunkte unter

dem OECD-Schnitt von gut 20 Prozent. Spitzenreiter bei der

Beschäftigung Älterer sind vor Deutschland noch Island, Schweden, die

Schweiz, Tschechien, Dänemark, Neuseeland, Japan und Norwegen.

 

Mehr Schatten als Licht sehen die OECD-Experten bei den jüngsten

Reformen zum Übertritt in die Rente. So heben sie zum seit diesem

Jahr geltenden Flexirenten-Gesetz das Risiko hervor, dass dadurch

mehr Menschen früher in Rente gehen. Gedacht hatten Union und SPD das

Gesetz, um die Rentenübergänge flexibler zu machen: Wer bereits mit

63 in Teilrente geht, kann mehr als bisher dazu verdienen. Aber auch

das Arbeiten über das normale Rentenalter hinaus sollte attraktiver

werden - anders als zuvor steigern Rentenbeiträge dann auch die

Rente.

 

Die zu Anfang der vergangenen Wahlperiode eingeführte abschlagsfreie

Rente nach 45 Beitragsjahren bietet - so betont die OECD - wenig

Anreize, die Berufslaufbahn nach 45 Jahren fortzusetzen.

 

Falls sich Union und SPD zu einer Neuauflage ihrer Koalition

durchringen, dürfte das Thema Rente viel Konfliktpotenzial bieten.

Die CDU will zunächst eine Kommission einsetzen, die CSU eine

Erweiterung der Mütterrente durchsetzen, die SPD pocht auf baldige

Schritte für eine Stabilisierung des Rentenniveaus. Konsens könnte

eine künftige Regierung nach Beobachtermeinung allerdings dabei

erzielen, älteren Menschen größere Anreize für längeres Arbeiten zu

geben - im Fall großer Belastungen im Job aber auch ein früheres

Ausscheiden zu erleichtern.

 

Eine automatische Anpassung des Rentenalters an die steigende

Lebenserwartung gibt es in Dänemark, Finnland, Italien, den

Niederlanden, Portugal und der Slowakei. Auch in Deutschland wurde so

eine Kopplung bereits diskutiert, etwas der damalige Finanzminister

Wolfgang Schäuble (CDU) zählte zu den Fürsprechern. SPD, Grüne und

Linke halten davon aber nichts.

 

Bei der Rentenlücke zwischen Männern und Frauen ist Deutschland

Spitzenreiter. Sie liegt hier bei 46 Prozent, vor den Niederlanden,

Luxemburg, Großbritannien und Österreich. Die OECD-Experten merken

kritisch an, dass Frauen in Deutschland auch künftig wohl niedrigere

Renten als Männer erwirtschaften. Hauptgründe: Eine über OECD-Schnitt

liegende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern - sowie der große

Teilzeitanteil bei Frauen.

 

Auch das Fehlen von Mindestrenten sieht die OECD kritisch. Denn vor

allem bei Niedrigverdienern dürften die Alterseinkünfte in

Deutschland das vorherige Lohnniveau in geringerem Maß ersetzen als

im OECD-Schnitt. Auch eine bessere Absicherung von Geringverdienern

ist in der deutschen Reformdebatte zur Rente mit im Fokus.