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Diskussion um Grippe-Impfung - Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?

28.02.2018

Die Grippe überzieht Deutschland. Nun gibt es Streit um den im Januar
empfohlenen Vierfach-Impfstoff. Kritiker fordern eine Einführung im
Eilverfahren.

Berlin (dpa) - Zum Höhepunkt der Grippewelle in Deutschland fordert
die Deutsche Stiftung Patientenschutz einen besseren Impfschutz der
Bevölkerung. «Bis heute übernehmen nicht alle Krankenkassen die
wichtige Vierfach-Impfung», sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen
Presse-Agentur. «Gezahlt wird häufig nur der halb so teure
Dreifach-Wirkstoff.» In einem Beitrag für die Zeitungen des
Redaktionsnetzwerks Deutschland (Mittwoch-Ausgaben) betonte Brysch:
«Dabei fehlt der Dreifachimpfung ein entscheidender Influenzastamm,
der für zahlreiche, teils schwerwiegende Erkrankungen verantwortlich
ist.» Ob der Vierfach-Impfstoff aber in ausreichender Menge vorhanden
wäre, ist allerdings fraglich.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI)
hatte die Vierfach-Impfung gegen Grippe erst kürzlich empfohlen. In
der aktuellen Saison hilft der Dreifach-Impfstoff laut Experten nur
bedingt, weil er weniger Virenstämme des Influenza-B-Typs abdeckt. Im
Unterschied zur Dreifach- richtet sich die Vierfach-Impfung auch
gegen die sogenannte Yamagata-Linie der Influenza-B-Erreger. Sie
macht laut RKI etwa 75 Prozent aller Grippefälle aus.

Dennoch biete auch die Dreifach-Impfung guten Schutz, sagt
RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Bei der derzeitigen Grippewelle
liege die Wirksamkeit aller Impfungen zusammen bei 46 Prozent. Das
sei angesichts der üblichen Schwankungsbreite von 20 bis 60 Prozent
schon recht gut.

Die Schutzimpfungen sind seit 2007 Pflichtleistungen der gesetzlichen
Krankenkassen. Der für den Leistungskatalog der Kassen zuständige
gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), dem Spitzenvertretern von Ärzten,
Kassen und Kliniken angehören, hatte im Januar mitgeteilt, nach der
Stiko-Empfehlung zügig über eine Aufnahme des Vierfach-Stoffs in die
Pflichtleistungen der Kassen zu beraten.

«Hierfür besteht eine gesetzliche Frist von maximal drei Monaten»,
sagte G-BA-Chef Josef Hecken. Ansatzpunkte für Klagen über eine
Benachteiligung von Kassenpatienten gegenüber Privatversicherten, die
die Impfung eher erstattet bekommen, biete der Fall nicht. Bisher
habe der G-BA Stiko-Empfehlungen in den meisten Fällen übernommen.

Brysch kritisierte, heute seien chronisch und schwerstkranke Menschen
beim Grippeschutz auf das Wohlwollen ihrer Krankenkasse angewiesen.
Dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Entscheidung über die
Vierfach-Impfung erst im April treffen wolle, sei viel zu spät für
die diesjährige Grippesaison. «Deshalb muss der Gesetzgeber für
solche Gefährdungssituationen ein Eilverfahren einführen.»

RKI-Sprecherin Glasmacher weist darauf hin, dass die Chargen der
Impfstoffe schon im vorigen Frühjahr und Sommer produziert worden
seien. Vor der Herstellung der Impfstoffe analysieren Experten
kontinuierlich die zirkulierenden Varianten von Grippeerregern.
Daraus leiten sie die Zusammensetzung der Impfstoffe für die hiesige
Grippesaison im Winter ab. Für die Nordhalbkugel veröffentlicht die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Empfehlung gewöhnlich im
Februar. Da Grippeviren sehr wandlungsfähig sind, bieten die
Impfungen nie absoluten Schutz.

Die Grippewelle hat in Deutschland ihren vorläufigen Höhepunkt
erreicht. In der achten Kalenderwoche registrierte das Robert
Koch-Institut mehr als 35 000 Grippefälle. Mindestens 216 Menschen
starben nachweislich nach einer Influenza-Infektion - vorwiegend
Menschen im Seniorenalter, die oft Vorerkrankungen hatten. Die
Dunkelziffer bei Grippefällen gilt als hoch, weil nicht in jedem Fall
Erregerproben analysiert werden.