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Ebola-Forscher: Brauchen verschiedene Impfstoffe gegen Virus Interview: Carolin Eckenfels, dpa

07.08.2015

Im August 2014 war ein Marburger Mediziner im westafrikanischen Ebola-Krisengebiet im Einsatz. Zurück in Deutschland beschäftigt er sich weiter mit dem gefährlichen Virus.  

Marburg (dpa) - Vor einem Jahr arbeitete der Marburger Virologe Thomas Strecker im Ebola-Gebiet von Guinea in Westafrika. Dort testete er Blutproben auf das Virus. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland beschäftigt er sich weiter mit dem Thema. Erst vor einer Woche berichtete ein Forscherteam von einem ersten Impfstoff, der zuverlässig vor Ebola schützt. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur berichtet Strecker über seine Erfahrungen und Herausforderungen der Ebola-Forschung.

Frage: Bei einer internationalen Impfstoffstudie in Guinea kam jetzt heraus, dass dieser Stoff zuverlässig vor einer Ebola-Infektion schützt. An der ersten Phase der klinischen Erprobung des Mittels waren auch Marburger Virologen beteiligt - machen Sie nun Luftsprünge?

Antwort: Das ist eine sehr aufregende und schöne Situation. Es ist toll mitzuerleben, dass die Wirksamkeit des Impfstoffes vor Ort demonstriert werden konnte. Das Bemerkenswerte ist auch, dass es die Kollegen in Guinea geschafft haben, diese Studie während des akuten Ausbruchs durchzuführen - das ist eine extrem große Herausforderung.

Frage: Sie waren 2014 gleich zweimal im damaligen Ebola-Krisengebiet von Guinea, im Frühjahr und August. Was trieb sie an? 

Antwort: Nach meiner ersten Rückkehr hat man noch gedacht, dass der Ausbruch relativ schnell zum Erliegen kommt. Doch die Situation hatte sich Wochen später dramatisch geändert und es wurden dringend Helfer gesucht, die vielleicht auch schon Erfahrung vor Ort hatten. Weil ich dort trotz allem auch sehr positive Erfahrungen gemacht habe - es gab eine gute Teamarbeit im Labor und mit den Helfern vor Ort -, bin ich noch einmal gefahren. Hinzu kam das Wissen, dass man dort unten wirklich helfen und etwas gegen den Ausbruch tun kann.

Frage: Ist Ebola nun weit weg für Sie?

Antwort: Nein, Ebola hält mich nach wie vor auf Trab. Vorher hatte ich mit dem Virus fast nichts zu tun, mein Spezialgebiet ist das Lassa-Virus, das auch in Westafrika beheimatet ist. Aber jetzt ist es so, dass sich der Großteil meiner Arbeit weiterhin um Ebola dreht. Mitarbeiter meiner Arbeitsgruppe und ich sind etwa bei verschiedenen Impfstoffstudien involviert.

Frage: Es wurde erst ein Erfolg gemeldet. Braucht man noch weitere Impfstoffe?

Antwort: Ich denke schon, dass andere Studien weiterhin notwendig sind, weil es immer auch wichtig ist, eine größere Anzahl von Impfstrategien bereitzuhaben. Bestimmte Impfstrategien sind auch nur für bestimmte Patientengruppen geeignet. Es ist also wichtig, dass wir eines Tages verschiedene Ebola-Impfstoffe zur Verfügung haben.

ZUR PERSON: Dr. Thomas Strecker (40) gehört zum Team des Instituts für Virologie der Universität Marburg. Hier forscht er zu Ebola - sein Spezialgebiet war bislang aber vor allem das Lassa-Virus.