Agenturmeldungen

Europas Kinder sind zu dick: Forscher fordern Regulierung von Werbung

09.02.2017

Die Kinder in Europa sind zu dick, beklagen Forscher nach Abschluss
einer großen Langzeitstudie. Sie fordern die Politik auf, die
Ursachen entschlossener als bisher anzugehen.

Brüssel/Bremen (dpa) - Speziell auf Kinder zugeschnittene Werbung für
zucker- und fettreiche Lebensmittel sollte nach Ansicht von Experten
stärker reguliert werden. Eine europäische Langzeitstudie an rund
10 000 Kindern aus acht Ländern, darunter Deutschland, belegt den
Forschern zufolge, dass TV-Reklame bei Kindern den Konsum von
ungesunden Lebensmitteln erhöht.

«Vor allem kleine Kinder können Werbung nicht vom Rest unterscheiden
und sind ihr deshalb völlig schutzlos ausgesetzt», sagte
Studienkoordinator Wolfgang Ahrens vom Leibniz-Institut für
Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen. Eltern mit
eher niedrigem Bildungsstand seien zudem Reklame gegenüber weniger
kritisch eingestellt. Auf deren Kinder wirke Werbung daher noch
stärker.

Freiwillige Selbstverpflichtungen der Hersteller zu einer
verantwortungsvollen Werbung für Kinder hätten nicht funktioniert,
betont der Bericht. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
appelliert seit längerem an die europäischen Regierungen, Werbung mit
Gesetzen strenger zu regulieren.

Als Reaktion kritisierten Verbraucherschützer die Bundesregierung:
«Bundesernährungsminister Christian Schmidt setzt im Kampf gegen
Fehlernährung bei Kindern seit Jahren auf freiwillige
Vereinbarungen», teilte die Organisation Foodwatch mit. «Dabei ist
längst belegt, dass das nicht funktioniert. Die Hersteller machen die
größten Profite mit Süßkram, Zuckergetränken und Knabberartikeln.
Freiwillig werden sie nicht damit aufhören, genau diese Produkte an
Kinder zu bewerben und deren Geschmack schon früh zu prägen.»