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(Fragen & Antworten - Zum Tag der Organspende am 3. Juni) Organspenden kann Leben retten - doch die Bereitschaft ist rückläufig

29.05.2017

Berlin (dpa) - Seit etwa 50 Jahren können Organe transplantiert
werden. Die Erfolgsraten stiegen mit Fortschritten in der Medizin
immer weiter an. Doch mehrere Skandale haben das Vertrauen der
Deutschen in die Transplantationsmedizin erschüttert und die
Bereitschaft zur Organspende zurückgehen lassen. Der Bedarf aber ist
unverändert groß. Fragen und Antworten:

Warum ist die Lage so ernst?

Mehr als 10 000 schwerkranke Menschen warten hierzulande auf ein
Spenderorgan, die meisten auf eine neue Niere. Für viele von ihnen
ist eine Transplantation die einzige Chance, um zu überleben.
Statistisch gesehen sterben täglich drei Patienten, weil ein
passendes Organ nicht rechtzeitig verfügbar ist.

Wie stehen die Deutschen zur Organspende?

Einer repräsentativen Befragung von 2016 zufolge sind mit 81 Prozent
die meisten für das Thema aufgeschlossen und wären grundsätzlich
bereit, anderen nach dem Tod mit einer Spende zu helfen. Doch nur ein
gutes Drittel trägt auch einen Spendeausweis bei sich. Deshalb werden
im Fall einer möglichen Organspende die Angehörigen nach dem
mutmaßlichen Willen des Verstorbenen befragt. Für sie ist eine
Entscheidung in dieser Situation oft eine Überforderung.

Wie viele Spender pro Jahr gibt es denn in Deutschland?

857 Menschen waren es im vorigen Jahr, denen nach dem Tod meist
mehrere Organe entnommen wurden. Doch die Zahlen gehen immer weiter
zurück: 2011 waren es noch 1200 Spender. Im Durchschnitt schenkt ein
Organspender drei schwerkranken Menschen die Chance auf ein neues
Leben.

Warum gibt es in anderen europäischen Ländern mehr Organspender?

Das liegt vor allem an gesetzlichen Regelungen. In Deutschland gilt
die Zustimmungslösung. Wer für eine Organspende nach seinem Tod ist,
muss das durch einen Ausweis belegen. In Spanien oder Österreich gilt
dagegen die Widerspruchslösung. Menschen müssen hier dokumentieren,
dass sie gegen eine Organentnahme nach ihrem Tod sind, sonst gilt sie
als normal. Die Zahl der Organspender ist bei dieser Lösung höher.

Welche Organe werden am dringendsten benötigt?

Ende 2016 warteten hierzulande 7876 Menschen auf eine neue Niere. Es
folgten: Leber (1157), Herz (725), Lunge (390), Bauchspeicheldrüse
(270) und Dünndarm (9).

Und unter welchen Voraussetzungen darf transplantiert werden?

Das Transplantationsgesetz schreibt den von zwei Ärzten
festgestellten Hirntod als Voraussetzung für die Entnahme von Organen
vor. Sie ist in der Regel nur möglich, wenn der Hirntod in einer
Klinik eintritt. Der Verstorbene muss eingewilligt haben, sonst
können Angehörige nach seinem mutmaßlichen Willen entscheiden. Ob ein
Spender infrage kommt, hängt nicht so sehr von seinem Alter ab,
sondern vom Zustand seiner Organe und seinem allgemeinen
Gesundheitszustand. In manchen Fällen spenden unter bestimmten
Bedingungen auch Lebende Organe - eine Niere oder einen Teil der
Leber. Dazu zählen zum Beispiel Ehepartner oder enge Verwandte. Dass
diese Lösung gewählt wird, liegt oft auch an dem Mangel an
Spenderorganen.

Wie wird eine Organspende organisiert?

Für die Vermittlung der Organe ist die Stiftung Eurotransplant mit
Sitz in den Niederlanden zuständig. Voraussetzung ist, dass der
Patient auf der Warteliste eines Transplantationszentrums steht.
Dabei kommt es vor allem auf Erfolgsaussicht und Dringlichkeit der
Verpflanzung an. Eurotransplant ist für die Vermittlung aller Organe
zuständig, die in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien,
Luxemburg, Slowenien, Kroatien und Ungarn entnommen werden. Ein Organ
eines Deutschen kann dabei auch bespielsweise einem Slowenen zugute
kommen. In den acht Ländern leben rund 134 Millionen Menschen.
In Deutschland wurden 2016 mehr als 3700 Organe übertragen.