Agenturmeldungen

Führungspositionen auch im Gesundheitswesen Männerdomäne

15.09.2017

Berlin (dpa) - Immer mehr junge Frauen studieren Medizin, aber

Führungspositionen im Gesundheitswesen bleiben eine Männerdomäne. Das

geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der

Grünen-Fraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Frauen sind demnach in leitenden Funktionen im Krankenhaus deutlich

unterrepräsentiert.

2015 hätten dort 11 Prozent Ärztinnen und 89 Prozent Ärzte leitende

Funktionen besetzt. Und etwas weniger als 20 Prozent der

kaufmännischen Leitungen in deutschen Allgemeinkrankenhäusern sei

weiblich. Bundesweit seien nur 10 Prozent der Führungspositionen in

der Universitätsmedizin von Frauen besetzt.

In krassem Gegensatz dazu stehe der wachsende Frauenanteil beim

Studium der Humanmedizin, so die Grünen. 2012 waren nach Angaben des

Statistischen Bundesamtes (2014) unter denjenigen, die einen

Uni-Abschluss machten, 65 Prozent Frauen. 2002 seien dies noch 49

Prozent gewesen.

Familienministerin Katarina Barley (SPD) erklärte dazu: «Frauen in

Führungspositionen muss man in diesem Land immer noch mit der Lupe

suchen. ... Was für das Gesundheitswesen gilt, kennen wir bereits aus

der Wirtschaft.» Gerade einmal sechs Prozent der Vorstände in den

Unternehmen seien weiblich.

«Freiwillige Selbstverpflichtungen haben dort rein gar nichts

bewirkt.» Damit mehr Frauen in Führungspositionen gelangen, müsse man

auch verhindern, dass sie nach einer Familienphase in der

Teilzeitfalle landen. «Dafür brauchen wir endlich ein Rückkehrrecht

von Teilzeit in Vollzeit», erklärte Barley. 

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria

Klein-Schmeink, argumentierte: «Die Medizin wird weiblicher. Trotzdem

ist das Gesundheitswesen in vielen oberen Etagen immer noch eine

Männerdomäne und bremst Frauen aus. Das muss sich endlich ändern.»

Die Grünen fordern eine Überarbeitung der ärztlichen Weiterbildung.

Gerade in der Phase, in der Frauen Kinder bekommen und Familien

gründen, finde mit der Ausbildung zum Facharzt ein wichtiger Schritt

auf dem Weg zur künftigen ärztlichen Tätigkeit statt. «Um Frauen hier

nicht auszubremsen, muss die Weiterbildung flexibler gestaltet und

stärker auch auf die Bedürfnisse von Ärztinnen und Ärzten mit Kindern

ausgerichtet werden.»