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Gröhe warnt trotz der Klinikmorde vor Kontrollwahn

23.06.2016

Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat angesichts der mutmaßlichen Klinikmordserie in Niedersachsen vor einen Kontrollwahn an Krankenhäusern gewarnt. Pflegekräfte dürften nicht unter Generalverdacht gestellt werden, sagte der CDU-Politiker dem «Tagesspiegel» (Berlin, Freitag). «Es muss angemessene Kontrollen geben, aber keinen Kontrollwahn, der die Kollegialität der Vermutung opfert, jeder andere könnte ein Monster sein, das zu derart schrecklichen Verbrechen in der Lage ist.»

Der wegen Mordes an Patienten verurteilte Ex-Pfleger Niels H. ist nach Ansicht von Ermittlern für den Tod von noch weitaus mehr Menschen verantwortlich. Am Klinikum in Delmenhorst soll er mindestens 33 Patienten zu Tode gespritzt haben. Die Zahl der möglichen Opfer am Klinikum Oldenburg ist noch unklar. Polizei und Staatsanwaltschaft sehen auch Verfehlungen bei den beiden Kliniken.

Ihrer Überzeugung nach lagen damals Verantwortlichen frühzeitig Hinweise auf die Taten vor. Gegen acht Mitarbeiter laufen Ermittlungen wegen Totschlags durch Unterlassen.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) sieht vor diesem Hintergrund Strukturproblemen in den Krankenhäusern. Gröhe warnte dagegen davor, die Taten auf mangelnde Kontrolle infolge von Arbeitsdruck und schlechter Personalausstattung zurückzuführen. «Keine noch so gute Personalausstattung wird einen Mörder daran hindern, einen unbeaufsichtigten Moment für sich zu nutzen», sagte er der Zeitung. Er plädierte dafür, erst nach Abschluss der Ermittlungen über strengere Kontrollen nachzudenken.