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Gutenberg-Gesundheitsstudie: Neue Gene für Erkrankungen gefunden

09.11.2017

Mainz (dpa) - Mit Hilfe einer Biodatenbank von mehr als 15 000

Rheinland-Pfälzern haben Wissenschaftler der Unimedizin Mainz neue

Gene für Erkrankungen identifiziert. «Das geht von der Herzschwäche

bis zur Verkalkung von Gefäßen, von Augenerkrankungen bis zum

Bluthochdruck und vom Diabetes bis zur Nierenfunktion», sagte Philipp

Wild, Leiter der Gutenberg-Gesundheitsstudie, der Deutschen

Presse-Agentur. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse erstmals breit

präsentiert - laut Wild «ein ganzer Brockhaus».

Für das Mammutprojekt sind Menschen aus dem Großraum Mainz im Alter

zwischen 35 und 74 Jahren gemessen und untersucht worden - vom Blut

über Tränenflüssigkeit bis zum Zahntaschenabstrich wurden ihnen dafür

zahlreiche Proben genommen und Röntgenbilder gemacht. «Dann wurde

geschaut: Weswegen sind die Menschen anders, wie unterscheiden sie

sich genetisch», sagte Wild. Wer die Mechanismen von Krankheiten

verstehe, könne die Krankheiten besser behandeln. Dank der Studie

seien zum Beispiel neue Cholesterinsenker entwickelt worden.

Ein weiteres Ziel der Gutenberg-Gesundheitsstudie war es, Normwerte

von Körperstrukturen und -funktionen zu ermitteln. Also zum Beispiel,

wie groß eine Herzkammer und wie dick die Hornhaut von Augen

normalerweise sind. Oder auch, wie die Nierenwerte bei der

Durchschnittsbevölkerung liegen. «Also: Was ist normal?», erläuterte

Wild. «Wenn jemand von der Norm abweicht, ist es immer ein Hinweis

darauf, dass ein krankhafter Prozess im Körper abläuft.»

Eine so detaillierte Studie wie die repräsentative Erhebung der

Mainzer Wissenschaftler von 15 000 Menschen gebe es in Europa bisher

nicht. In vielen Bereichen der Medizin arbeite man mit sehr kleinen

Datensätzen, die außerdem ausschließlich auf Daten von gesunden

jungen Menschen beruhen. «Dann macht man das zum Maßstab auch für

ältere Menschen - was natürlich nicht richtig ist», sagte Wild. Weil

der Mainzer Datensatz so groß sei, könnten Normwerte für Menschen

verschiedenen Geschlechts und Alters ermittelt werden.

Die Studie begann vor zehn Jahren, aber die Auswertung dauert bis

heute an. Außerdem wurden die Probanden in regelmäßigen Abständen

befragt, woran sie in der Zwischenzeit erkrankt sind  - oder es wurde

notiert, dass sie verstorben sind.

In Zukunft wollen die Forscher der Unimedizin die Biodatenbank

erweitern, um noch präziser das individuelle Risiko für die

Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs-, Augen- und

Stoffwechselerkrankungen sowie Erkrankungen des Immunsystems und der

Psyche früher vorhersagen zu können. Dafür werden nun 5000 weitere

Menschen in die Datenbank aufgenommen - auch jüngere und ältere

Teilnehmer. Die Finanzierung ist nun bis 2022 gedeckt. «Es wäre

fahrlässig, das Ganze jetzt zu beenden», meinte Wild.