Agenturmeldungen

Gutverdiener häufiger Ziel ärztlicher Selbstzahlerangebote

26.02.2019

Früherkennung von Krebs oder Grünem Star, Down-Syndrom-Tests für
Föten - oder Medikamente für die Darmflora: Ärzte machen ihren
Patienten regelmäßig Angebote zum Selbstzahlen - offenbar nicht nur
nach medizinischen Gesichtspunkten.

Berlin (dpa) - Niedergelassene Ärzte bieten Selbstzahlerleistungen
überwiegend Versicherten mit höherem Einkommen an. 21,6 Prozent der
Versicherten mit einem Haushaltseinkommen unter 2000 Euro wurden
zuletzt innerhalb eines Jahres von ihrem Arzt auf sogenannte
Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angesprochen. Bei Personen
mit einem monatlichen Haushaltseinkommen über 4000 Euro waren es laut
einer neuen Umfrage 35,4 Prozent. Das teilte das Wissenschaftliche
Institut der AOK (WIdO) am Dienstag in Berlin mit.

Klaus Zok, Studienleiter des WIdO, sagte: «Ob ein Patient eine
IGeL-Leistung angeboten bekommt, hängt weniger vom Alter und dem
Gesundheitszustand ab als von seinem Portemonnaie.» Insgesamt bekamen
im vergangenen Jahr 28,9 Prozent der Versicherten eine IGeL-Leistung
angeboten. Die Anteile schwankten in den vergangenen zehn Jahren
zwischen 26,7 und 33,3 Prozent.

Gefragt wurden die Versicherten auch nach den Kosten der jeweiligen
Angebote. Es ergab sich eine Spanne zwischen unter 10 und 1000 Euro -
mit einem Mittelwert von 74 Euro. Während die Hälfte der Leistungen
maximal 48 Euro kosten, werden für manche Leistungen hohe
dreistellige und sogar vierstellige Beträge genannt.

Einige Befragte nannten laut dem AOK-Institut Beispiele: So zahlte
eine 37-jährige Patientin auf Anraten eines HNO-Arztes 600 Euro für
eine Untersuchung auf Hörsturz. Ein 33-Jähriger zahlte bei einem
Allgemeinmediziner 400 Euro für die Gabe eines Medikamentes für die
Darmkultur. Eine Schwangere (35 Jahre) zahlte 300 Euro für einen Test
des Fötus auf Down-Syndrom und andere Erbkrankheiten bei einem
Gynäkologen. Unterm Strich bringen die Leistungen den Ärzten laut der
Studie rund eine Milliarde Euro pro Jahr ein.

Mit Abstand am häufigsten angeboten werden Ultraschalluntersuchungen
(26,9 Prozent) - überwiegend zur Krebsfrüherkennung bei Frauen - und
Leistungen im Rahmen der Glaukom-Früherkennung (18,1 Prozent). Rund
11 Prozent der Angebote entfallen auf Blutuntersuchungen und
Laborleistungen sowie rund 10 Prozent auf Medikamente, Heil- und
Hilfsmittel.

Krankenkassen betonen immer wieder, dass viele IGeL-Leistungen
fragwürdig seien. Das AOK-Institut nannte Ultraschalluntersuchungen
der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung als Beispiel. Studien hätten
keinen Hinweis auf einen Nutzen gegeben. Angebote wie Reiseimpfungen
seien hingegen sinnvoll.