Agenturmeldungen

Hausärzte: Kassenärztliche Verbandsstrukturen reformieren

10.05.2015

Die Verbandsspitzen der Kassenärzte stecken in einer tiefen Krise. Jeder kämpft gegen jeden. Es geht um Macht und Einfluss. Die Vertreterversammlung dürfte spannend werden.

Berlin (dpa) - Der Deutsche Hausärzteverband hat angesichts der andauernden Streitigkeiten eine tiefgreifende Reform der Verbandstrukturen der niedergelassener Ärzte gefordert. «Die Halbwertzeit von funktionierenden Strukturen in der Welt der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) nimmt gewaltig ab», sagte der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Querelen zeigten, dass die Körperschaft der ärztlichen Selbstverwaltung vor allem mit sich selbst beschäftigt sei - und mit dem Erhalt von Macht und Einfluss. Die Versorgung der Patienten stehe weniger im Vordergrund, sagte Weigeldt.

Zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und der Spitze der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gibt es seit geraumer Zeit Streit unter anderem über die Honorarabrechnungen. Zudem gibt es Spannungen zwischen dem KBV-Vorsitzenden Andreas Gassen und seiner Stellvertreterin Regina Feldmann. Gassen kommt aus der Fachärzteschaft, Feldmann ist in der KBV für die hausärztliche Versorgung zuständig. Die KVen, die regionalen Gliederungen der niedergelassenen Ärzte, verlangen personelle Konsequenzen an der KBV-Spitze. Vor diesem Hintergrund dürfte die Sitzung der Vertreterversammlung der KVen an diesem Montag in Frankfurt spannend werden.

Weigeldt sagte nun: «Wenn nach einem Jahr schon wieder diskutiert wird, ob der Vorstand der richtige ist oder nicht, dann ist das schon bemerkenswert.» Die anhaltenden Verwerfungen seien ein deutlicher Hinweis, «dass dieses Prinzip körperschaftlicher ärztlicher Selbstverwaltung an seine Grenzen gestoßen ist».

Dass dies nicht mehr richtig funktioniere, sei um die Jahrtausendwende auch Anlass für seinen Verband gewesen, «eine andere Struktur aufzubauen, um wenigstens die hausärztliche Versorgung sicherzustellen». Damals seien permanente Eingriffe des Gesetzgebers erforderlich gewesen, um zu verhindern, dass der Hausärztemangel noch dramatischer werde. «Wir müssen stärker als bisher in kooperative Strukturen kommen.»

Weigeldt verwies auf die Zusammenarbeit zwischen Diabetologen sowie anderen Facharztrichtungen und Hausärzten. Hier gehe es vor allem darum: «Wie kooperieren und kommunizieren wir miteinander.» Das habe zunächst nichts mit Geld oder Honorarverteilung zu tun. «Solche Konzepte sehe ich überhaupt gar nicht in dem Kollektivvertragssystem.»