Agenturmeldungen

Kassenärzte fordern klare Regelung bei medizinischen Notfällen

20.02.2017

Seit Jahren gibt es Zank zwischen niedergelassenen Ärzten und
Krankenhäusern, wer für welche Notfälle zuständig ist. In manchen
Regionen klappen die Absprachen, in vielen aber immer noch nicht.

Berlin (dpa) - Der Bereitschaftsdienst von niedergelassenen Ärzten
und die Notfallambulanz von Krankenhäusern müssen nach Ansicht der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) besser aufeinander
abgestimmt werden. «Ein Notdienst, der abgestimmt zwischen
Krankenhäusern und Niedergelassenen besteht, ist wichtig und richtig
und anders wird es auch nicht gehen», sagte der Vorstandsvorsitzende
der KBV, Andreas Gassen, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir müssen
diese Dienste zusammenführen. Wir müssen uns abstimmen», forderte
Gassen vor allem mit Blick auf die Krankenhäuser.

Es sei wichtig, dass ein Patient, der «zur Unzeit» eine ärztliche
Versorgung benötige, eine zentrale Nummer wählen könne, die ihn
entweder in die ambulante Versorgung eines niedergelassenen Arztes
verweise oder in die Notfallaufnahme eines Krankenhauses. Wichtig für
eine Notfallsteuerung sei, «dass es nur immer eine Anlaufstelle gibt,
nicht zwei parallele Strukturen», sagte Gassen.

Die zentrale Nummer sieht Gassen in der Bereitschaftsdienstnummer
116117 der niedergelassenen Ärzte. Er räumte aber ein, dass diese
Nummer noch zu wenig bekannt ist und forderte: «Wir müssen die 116117
populärer machen.» Die 116117 sei für den Bereitschaftsdienst und die
112 für den Notfall etwa bei schweren Unfällen, bei Verdacht auf
Hirnschlag oder Herzinfarkt, erläuterte der KBV-Chef.

Gefragt seien bei dieser Zusammenarbeit vor allem die 17 regionalen
Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), die am besten Vereinbarungen
mit den regionalen Krankenhäusern treffen könnten. «Manchmal klappt
dies schon hervorragend.» Ideal wäre zudem, man könnte den
Rettungsdienst ebenfalls in diese Zusammenarbeit integrieren. Das sei
allerdings derzeit nicht absehbar.

Gassen bekräftigte zudem seine Kritik, dass für manche Krankenhäuser
«die Notfallambulanz der Staubsauger für eine stationäre
Bettenfüllung» sei. «Die Hälfte aller Belegung kommt über die
Notaufnahme. Und wir wissen, jeder vierte Krankenhausfall ist eine
Fehlbelegung.»

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wies diese Vorwürfe
wiederholt zurück. Nach Darstellung der Bundesärztekammer (BÄK) sind
die Notfallambulanzen im Gegenteil viel zu oft überlastet. Das hänge
unter anderem damit zusammen, dass Patienten in der Notfallambulanz
schnelle Hilfe suchten. Das führe dann zu langen Wartezeiten, und
manchmal auch zu Aggressionen bei den Patienten.

Nach Darstellung der Krankenhausgesellschaft ist die Vergütung für
ambulante Notfälle nicht ausreichend. Einem Erlös pro Fall von 32
Euro stünden Kosten von 120 Euro gegenüber. Es komme somit zu einer
Unterdeckung von einer Milliarde Euro in den Krankenhäusern.