Agenturmeldungen

Kassenärzte verlangen mehr Geld für mehr Psychotherapieangebote

31.03.2017

Berlin (dpa) - Die Kassenärzte haben den Krankenkassen vorgeworfen,
die Ausweitung der Angebote für psychisch kranke Menschen nicht
angemessen zu honorieren. Es handle sich um echte Verbesserungen für
die Patienten. «Doch die Krankenkassen haben die Interessen ihrer
eigenen Versicherten torpediert. Sie weigern sich, den Mehraufwand
für die Psychotherapeuten adäquat zu finanzieren», kritisierte der
Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV),
Andreas Gassen, am Donnerstag in Berlin. «Die Krankenkassen leisten
damit den Versicherten einen Bärendienst.»

Von diesem Samstag an (1. April) müssen Psychotherapeuten pro Woche
mindestens zwei Stunden für Sprechstunden zur Verfügung stehen. Zudem
müssen sie 200 Minuten in der Woche am Telefon erreichbar sein. In
der Sprechstunde kann geklärt werden, ob in dringenden Fällen eine
sogenannte Akutbehandlung erforderlich ist. Dabei könne ohne ein
langes Antragsverfahren mit der Krankenkasse rasch eine Behandlung
des Patienten begonnen werden. Darüber hinaus müssen die regionalen
Kassenärztlichen Vereinigungen psychisch Kranken nötigenfalls Termine
über ihre Terminservicestellen bei einem Psychotherapeuten
vermitteln. Patienten benötigen dafür keine Überweisung.

Die neuen Angebote sollen Patienten zeitnah einen leichteren Zugang
ermöglichen und das Versorgungsangebot insgesamt flexibler machen.
«Die psychotherapeutischen Sprechstunden einzurichten, stellt einen
hohen - nicht nur inhaltlichen, sondern auch administrativen -
Mehraufwand dar, der zum Teil sogar mit der Einstellung von
Praxispersonal verbunden ist. Das macht man nicht eben nebenbei, wie
die Vertreter der Krankenkassen offenbar meinen», erklärte der
stellvertretende KBV-Chef Stephan Hofmeister.