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Kinderhospizverein: Schwer kranke Kinder sind immer noch Tabuthema

26.01.2015

Olpe (dpa) - Schwer kranke Kinder sind nach Ansicht des Deutschen Kinderhospizvereins immer noch ein Tabuthema. Freunde, Nachbarn und das Umfeld betroffener Familien zögen sich häufig aus Unsicherheit zurück, sagte Vereinsgeschäftsführer Martin Gierse am Montag in Olpe (Nordrhein-Westfalen). Darunter litten dann nicht nur die Eltern und die erkrankten Kinder, sondern auch Geschwiste

Der Begriff «Hospiz» sei bei den meisten Menschen immer noch mit einem kurz bevorstehenden Tod verknüpft, sagte Gierse. Die Hospizarbeit leiste jedoch mehr: «Wir begleiten Familien, die eine Diagnose bekommen haben, dass ihr Kind sterben wird. Wann das sein wird, wissen wir nicht», erläuterte er. Während Mediziner, Pfleger und Therapeuten nach dem Tod des Kindes weg seien, weil kein Geld mehr fließe, stünden die Ehrenamtlichen der Hospizdienste auch den Trauernden zur Seite.

Wenn ein Kind «lebensverkürzend erkrankt» sei, seien die betroffenen Familien oft noch Jahre oder sogar Jahrzehnte mit der Diagnose konfrontiert. «Für diese Familien ist es wichtig, dass sie auf diesem Weg nicht nur medizinisch begleitet werden.»

Der vor 25 Jahren von sechs Familien initiierte Kinderhospizverein hatte das erste Kinderhospiz «Balthasar» in Olpe mitgegründet und betreibt derzeit bundesweit 20 ambulante Kinderhospizdienste.

Außerdem entstand aus dem Verein die Kinderhospizstiftung und eine Akademie, die unter anderem Ehrenamtliche auf die Arbeit im Kinderhospizdienst vorbereitet.

Zur Jubiläumsfeier unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am 10. Februar Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (beide CDU) in Olpe erwartet.