Agenturmeldungen

Laumann fordert Kommunen zum Ausbau der Tagespflege auf

12.03.2015

Berlin (dpa) - Die Kommunen in Deutschland müssen nach Ansicht des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), mehr für den Ausbau der Tagespflege tun. Nachdem der Bund mit dem Pflegestärkungsgesetz die Leistungen flexibilisiert und erhöht habe, müsse nun gebaut oder umgebaut werden, sagte Laumann der «Nordsee-Zeitung» (Donnerstag). Die Kommunalpolitik sei in der Pflicht, dies mit den Pflegediensten und den Einrichtungen auszuloten.

Laumann plädierte dafür, Einrichtungen zur Tagespflege «möglichst nahe an den Menschen» zu schaffen: «So, wie man bei Grundschulen sagt, kurze Beine, kurze Wege, muss es zur Tagespflege auch einen kurzen Weg geben.» Nach Laumanns Vorstellungen müssen sich die Kommunen zugleich mehr um Infrastruktur für hochbetagte Menschen kümmern. «Wo entstehen altersgerechte Wohnungen? Wo gibt es Grundstücke dafür? Das sind wichtige städtebauliche Entscheidungen.»

Der Sozialverband VdK forderte die Bundesregierung auf, schnellstmöglich eine große Pflegereform auf den Weg zu bringen, um der Pflegenot entgegenzuwirken. Das am 1. Januar in Kraft getretene Pflegestärkungsgesetz habe zwar kleine Verbesserungen gebracht, zentrale Herausforderungen seien aber weiter ungelöst, sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher der Deutschen Presse-Agentur.

Dazu zählten ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff, die Stärkung von Prävention und Rehabilitation zur Vermeidung von dauerhafter Pflegebedürftigkeit, der Fachkräftemangel und das ungerechte Nebeneinander von privater und gesetzlicher Pflegeversicherung. «Es ist belegt, dass sich durch Prävention und Rehabilitation bei vielen älteren Patienten die Pflegebedürftigkeit vermeiden oder hinausschieben lässt», betonte Mascher.

Der Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, warf der Regierung Untätigkeit bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels im Pflegebereich vor. «Wenn Verteidigungsministerin von der Leyen ein Gesetz zur Steigerung der Attraktivität der Bundeswehr auf den Weg bringt, dann geht das. Aber für den Pflegebereich, in dem es um die Versorgung alter Menschen geht, scheitert das am politischen Klein-Klein», sagte Westerfellhaus der «Saarbrücker Zeitung» (Donnerstag). Das sei eine «Schande».

Allein in den Krankenhäusern fehlten mindestens 50 000 Pflegekräfte, nur um den Personalbestand des Jahres 2007 wieder zu erreichen, erklärte der Verbandschef. So sei etwa das von der Bundesregierung versprochene Pflegeberufsgesetz überfällig. Unter den Patienten in den Kliniken gebe es immer mehr Demenz-Kranke. In den Pflegeheimen seien immer mehr intensiv Pflegebedürftige. «Dem wird die Pflegeausbildung nicht gerecht», kritisierte Westerfellhaus.

Der Pflegerat ist Veranstalter des Pflegetages, der an diesem Donnerstag in Berlin beginnt. Auf dem dreitägigen Kongress beraten Spitzenvertreter von Pflege, Wirtschaft und Politik über die Herausforderungen der Branche. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlicht am Vormittag die Pflegestatistik 2013.